Wetter

Herbstbeginn 2018

von Holger Westermann

In Mitteleuropa haben sich die Menschen den 21. September als Datum für den astronomischen Herbstbeginn gemerkt. Heuer (in diesem Jahr) fällt die Tagundnachtgleiche (Äquinoktium) jedoch auf den 23. September. Dafür wechselte das Wetter zum vertrauten Termin deutlich spürbar von Hochsommer mit 32°C Tagesmaximum auf frischen Frühherbst mit 17°C. Verantwortlich dafür ist das Tief „Elena“ und die aktuelle astronomische Dynamik.

Ändert sich die Länge des lichten Tage an den Sonnenwenden zu Beginn von Sommer und Winter von Tag zu Tag nur unmerklich, dehnt sich die Nacht nun täglich um drei bis vier Minuten. Je länger die Nacht währt, um so deutlicher fällt bis Sonnenaufgang die Temperatur der bodennahen Luft. Besonders in sternklaren Nächten strahlt die Wärme in Weltall ab. Während der letzten Hochsommertage war die Temperaturdifferenz zwischen Mittagshitze und Morgenfrische besonders markant. Da mit einer Südströmung stetig trockene Warmluft herangeführt wurde, dominierte der frische Eindruck gegenüber dem Kälteempfinden.

Diese Dauerhochdruckwetterlage hat sich nun verabschiedet. In diesem Sommer konnten die vom Atlantik heranziehenden Tiefdruckgebiete diese Blockade nur selten überwinden. Nun kommen jedoch die kräftigen Herbstzyklone, während nachlassende Sonneneinstrahlung auf der Nordhemisphäre die Hochdruckgebiete schwächt. Eine erste Kaltfront (Tief „Elena“) hat Mitteleuropa bereits überquert und mit stürmischer Vehemenz einen Gutteil der Hochsommerwarmluft beiseite geschoben. Die markant fühlbare Abkühlung erfolgt jedoch erst nach kurzer Wetterberuhigung mit der Regenfront des nachfolgenden Tiefdruckgebiets „Fabienne“. Dann sinkt sukzessive auch die Temperatur der oberen Bodenschicht. Aufgrund der lang anhaltenden Dürre ist dieser Wärmespeicher bislang besonders effektiv, feuchter Boden nimmt rascher die Temperatur der Umgebungsluft an.

Für wetterempfindliche Menschen ist der markante Wetterumschwung eine große Gesundheitsbelastung - oder eine spürbare Erleichterung. Sturm und Regen wird sicherlich von der Mehrzahl der Mitteleuropäer als lästig empfunden, zumal die Begeisterung für Frischluftaktivitäten bei solchen Wetterbedingungen schwindet. Manche Menschen reagieren auf einen so rasanten Wetterwechsel auch mit Niedergeschlagenheit oder Kopfschmerzen.

Andererseits kommen Abkühlung und Anfeuchten der Atemluft vielen Menschen zugute, die mit Problemen beim Luftholen oder mit der Lungenfunktion leben müssen. Auch Herz-Kreislauf-Patienten werden eine Entlastung spüren. Das sollte sie jedoch nicht sofort zu körperlicher Anstrengung animieren. In der Dauerhitze dieses Sommers hat sich der Körper aber auch die Erwartung an die eigene Leistungsfähigkeit den Umweltbedingungen angepasst. Die nun als „erfrischend“ empfundene Wetterlage legitimiert keine spontane Radikalveränderung der körperlichen Belastung.

Mit der Abkühlung ändert sich jedoch nicht nur das gefühlte Wetter, sondern auch das wetterbedingte Verhalten. Aufenthalt im Freien endet nun frühzeitig, sportliche Aktivität fällt leichter - verliert aber an Attraktivität, das Schlafbedürfnis nimmt zu - die Schlafqualität ist in kühler Umgebung auch besser, der wintertypische Appetit auf energiereiche „schwere“ Nahrungsmittel setzt ein - leichte Kost lockt weniger. Warme Witterung verzögert diesen alljährlich heranschleichenden Wechsel vom agilen Sommer- zum schonenden Winterverhalten. Der Gesundheit zuliebe sollte man trotz merklicher Abkühlung und Regenschauern noch eine Weile im Sommermodus verweilen.

Quellen:

Dipl.-Met. Simon Trippler: Herbstauflauf. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 20.09.2018.

Dipl.-Met. Julia Fruntke: Nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 21.09.2018.

Erstellt am 22. September 2018
Zuletzt aktualisiert am 22. September 2018

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