Wetter

Tagsüber Frühling, frühmorgens Frost

von Holger Westermann

Admiral und Krokus

Sonniger Spätwinter bringt frühlingshafte Mittagstemperatur, doch kurz nach Sonnenaufgang wird es sehr kalt. Mancherorts steigt die Lufttemperatur tagsüber innerhalb von -3°C auf +15°C. Kurz nach Sonnenuntergang kann sich schon wieder Reif bilden. Solche kurzzeitigen Temperaturschwankungen vertragen nicht alle Menschen, doch ein Gutteil der empfundenen Gesundheitsbelastung ist psychologisch motiviert.

Das Hoch „Dorit“ bringt wolkenlosen Sonnenschein und führt mit seiner südwestlichen Strömung (Im Uhrzeigersinn um das Hochdruckzentrum) subtropische Warmluft heran. Tagsüber steigt die Lufttemperatur über 15°C, in den kommenden Tagen können mancherorts auch 20°C erreicht werden. Die Windstille und Strahlungswärme verstärken den Effekt, die gefühlte Temperatur liegt noch über dem Thermometerwert.

Nach Sonnenuntergang wird es jedoch rasch empfindlich kalt. Bei sternklarer Nacht kühlt die angewärmte bodennahe Luftschicht sofort aus, die Wärme entweicht ungehindert von Wolken ins Weltall (ca. -270°C). Der noch winterlich kühle Boden kann den Wärmeverlust nicht ausgleichen. So bildet sich vielerorts bereits am Abend Reif auf Autos, die keinen direkten Kontakt zum Boden haben und deren Metallhülle besonders rasch abkühlt. Gegen Morgen ist auch Reif auf Boden, Wegen und Straßen möglich. Wie eng die Temperatur um den Gefrierpunkt schwankt wird deutlich, wenn benachbarte Rasenflächen unbereift bleiben. Die tiefste Temperatur wird kurz nach Sonnenaufgang gemessen, wenn die nächtliche Auskühlung maximal lang währte und die ersten Sonnenstrahlen noch nicht wärmen.

Ein dynamischer Temperaturwechsel innerhalb weniger Stunden: vom Sonnenaufgang (derzeit zwischen 6:00 Uhr in Wien und 7:45 in Köln) bis zur maximalen Wärme gegen 14:00 Uhr vergehen gerade einmal sechs bis acht Stunden, die deutlich spürbare Abkühlung setzt dann mit Sonnenuntergang dreieinhalb Stunden später ein. Unter diesen Bedingungen fällt die Wahl der angemessenen Garderobe nicht leicht. Die Wohlfühltemperatur bedarf morgens einer wärmenden Hülle und zur Mittagszeit soll luftige Kleidung viel Sonnenstrahlung einfangen, am späten Nachmittag bedarf es dann schon wieder thermischer Unterstützung. Wer bei Nacht unterwegs ist muss sich wieder winterlich kleiden.

Glücklich ist, wer bei Sonnenschein zur Mittagszeit ins Freie darf. Auch wenn sich Felder, Sträucher und Bäume noch winterlich karg präsentieren, entdecken aufmerksame Beobachter erste Frühlingsanzeiger wie Schneeglöckchen (Galanthus), Winterling (Eranthis hyemalis), Krokusse (Crocus), erste Schmetterlinge wie beispielsweise einen Admiral (Vanessa atalanta). Sensible Menschen bemerken auch das Erblühen von Pflanzen, deren Pollen allergische Reaktionen provozieren können, wie Erle (Alnus) und Hasel (Corylus).

Wehmut empfinden dagegen viele, die in Haus, Büro oder Fabrik gebunden sind. Motivation und Konzentrationsfähigkeit leiden unter dem Gedanken „Was könnte man bei diesem Wetter draussen schönes erleben?!“ Doch nun ist Wochenende und spätestens am Sonntag können (fasst) alle Menschen in Mitteleuropa zur Mittagszeit im Freien das Frühlingsgefühl genießen.

Quellen:

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann: Tagsüber Frühling, nachts Winter. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 14.02.2019

Erstellt am 16. Februar 2019
Zuletzt aktualisiert am 16. Februar 2019

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