Wetter

Ungewohnter Sonnenschein

von Holger Westermann

Endlich lichten sich über Mitteleuropa die Wolken und Sonnenstrahlung erwärmt Boden, Luft und Gemüt. Das Frühjahr war extrem kühl und nass. Alle Aktivitäten im Freien forderten schützende Kleidung, oft ergänzt um einen Regenschirm. So blieb die Haut großflächig sonnenscheinentwöhnt im Zustand winterlicher Blässe - und reagiert nun errötend auf das helle frühsommerliche Wetter.

 

Ende Mai, Anfang Juni steht die Sonne schon sehr hoch am Himmel. Exponierte Hautpartien werden von UV-Strahlung gereizt, gerötet oder mittelfristig gebräunt und zur Bildung von Vitamin D animiert. Obwohl der längste Tag des Jahres (Sommersonnenwende) mit dem höchsten Sonnenstand erst am 21. Juni ist, zählt die meteorologischen Statistik den kompletten Juni schon zu den Sommermonaten. Für den „gefühlten Sommer“ ist das sicherlich eine verheißungsvolle Perspektive: Ab jetzt soll(te) es Sommer werden.

Doch gerade die aktuelle Wetterlage forciert beim Sonnenbad das Risiko für Sonnenbrand. Durch den hohen Sonnenstand hat die Strahlung einen sehr kurzen Weg durch die Atmosphäre und damit wird nur wenig gestreut oder absorbiert. Mehr noch als die wärmende Infrarotstrahlung erreicht energiereiche UV-Strahlung den Boden und die Haut der Menschen.

Derzeit liegt Mitteleuropa an der Westflanke eines Tiefdruckgebietes (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum) und damit strömt kühlere Luft heran, die kaum Staub und Wasserdampf enthält. Die spürbare Erwärmung ist Folge der Sonnenstrahlung vom wolkenbefreiten Himmel. Wäre der Zustrom afrikanischer Warmluft oder eine Hochdrucklage dafür verantwortlich würden Saharastaub, vom trockenen Boden aufgewirbelter Staub und Dunst die Strahlungsintensität trüben. Doch so trifft die jahreszeittypisch intensive UV-Strahlung mit ungefilterter Vehemenz auf die sonnenentwöhnte Haut. Das Sonnenbrandrisiko ist derzeit extrem hoch.

Andererseits ist die Synthese von Vitamin D in der Haut auf direkte UV-Strahlung angewiesen. Bislang gab es in Frühjahr nur wenig Gelegenheit, diesen Prozess durch leichte Kleidung und ausgiebigen Aufenthalt im Freien zu unterstützen. Insofern sind die sonnigen Tage auch eine sehr gute Gelegenheit durch Frischluftaktivtäten in optimistischer Garderobe der Gesundheit Gutes zu tun.

Wie hoch das Sonnenbrandrisiko tatsächlich ist hängt ab vom Sonnenstand, von der Bewölkung, der Ozonkonzentration in bodennahen Luftschichten und weiteren Aspekten der Aerosolklimatologie. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt eine anschauliche Grafik der europaweiten UV-Belastung heraus; die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ein Wien eine regionale für Österreich.

Es lohnt, sich daran zu orientieren, damit das so sehr ersehnte Sonnenbad ein förderliches Vergnügen für Wohlbefinden, Gesundheit und Gemüt wird.

Quellen:

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn: Spielverderber. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 30.05.2021

Erstellt am 31. Mai 2021
Zuletzt aktualisiert am 31. Mai 2021

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