Wetter
Schafskälte bringt Spätfröste
An der Ostflanke des Hochdruckgebietes „Yoko“ fließt eiskalte Meeresluft nach Mitteleuropa. Der bis über die Nordsee weit nach Norden ragende Keil des Azorenhochs lenkt die Luft entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum. Die Polarluft wird über die Ostsee bis gegen die Alpen geführt. Damit erreicht heuer (in diesem Jahr) die Schafskälte ganz Mitteleuropa - auch wenn nicht allerorten Frost am Morgen droht.
Durch die aktuelle „antizyklonalen Nordwestlage“ bestimmt hoher Luftdruck (Hochdruckgebiet = Antizyklon) das Wetter in Mitteleuropa. Bei dieser Großwetterlage werden inzwischen alle niederschlagsträchtigen Frontensysteme südwärts in Richtung Alpen abgedrängt. Keine atlantische Störung (Tiefdruckgebiete oder deren Ausläufer) hindert den Polarluft-Zustrom. Pünktlich Mitte Juni stellt sich die Schafskälte ein.
Die deutliche Abkühlung beruht nicht allein auf dem geringen Wärmeinhalt der zugeführten Luftmasse. Zwei weitere Effekte begünstigen die Abkühlung:
- Abstrahlung der langwelligen, infraroten Strahlung während sternklarer Nächte. Tagsüber erwärmt die Sonnenstrahlung Boden und bodennahe Luftschichten, nachts geht diese Wärme wieder verloren. Sofern Wolken den Nachthimmel bedecken, wird die infrarote Ausstrahlung durch eine atmosphärische Gegenstrahlung gedämpft. Ohne schützende Wolkenschicht wird sukzessive Wärme abgestrahlt. Der maximale Verlust ist am frühen Morgen erreicht; kurz bevor die Morgensonne wieder wärmt.
- Böden mit guter Wärmeleitfähigkeit können tagsüber viel Wärme aufnehmen und dienen über Nacht als Energiereservoir, das eine allzu starke Abkühlung kompensiert. Schlecht wärmeleitende Böden weisen demgegenüber eine hohe Tag-Nacht-Temperatur-Schwankungen auf. So leiten mineralische Böden (Ton, Lehm) die Wärme besser als organische, stark humushaltige Böden (Moor, Torf); feuchte Böden leiten besser als trockene; außerdem sind feste, unverarbeitete Böden bessere Wärmeleiter als bearbeitete, lockere Böden.
So entscheidet neben der Kaltluftzufuhr auch Sonneneinstrahlung und die Wolkenbedeckung während der Nacht sowie die Bodenbeschaffenheit darüber, wo die Schafskälte besonders intensiv zu spüren ist. Hier können sich auch im Frühsommer noch meteorologische Kältelöcher mit Spätfrösten bilden. So kühlte sich die Luft am Frühmorgen des 15.06.2015 in Quickborn (nördlich von Hamburg) über dem torfhaltigen Erdboden auf -1,6°C ab.
Quellen: Dipl.-Met. Thomas Ruppert: Schafskälte und Spätfröste. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 16.06.2015
Erstellt am 16. Juni 2015
Zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2015
Unterstützen Sie Menschenswetter!
Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.
Auferstehung des Frühlings zu Ostern
Die Menschen in Mitteleuropa dürfen sich jetzt auf sonnigwarmes Wetter freuen. Über die Ostertage und noch ein wenig darüber hinaus strömt Warmluft heran und Hochdruckwetter vertreibt die Wolken - leider nicht dauerhaft, es bleibt eine flüchtige Frühlingsepisode. weiterlesen...

Das Projekt Menschenswetter
Temperatur triggert den Herztod
Bei Klima und Wetter ist nicht Hitze sondern Kälte der wirkmächtigste Risikofaktor für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine aktuelle Studie an erwachsenen US-Amerikanern bestätigt weltweit erhobene Daten. weiterlesen...
Patienten-Arzt-Gespräch
Heutzutage ist es aus vielen Gründen für jüngst Erkrankte einfacher zum Computer zu gehen als zum Arzt. Erst einmal im Internet nachsehen, was die Symptome bedeuten, welche Krankheit die Gesundheit angegriffen hat. Doch sitzt man dann im Sprechzimmer, will der Arzt davon gar nichts wissen - warum eigentlich nicht? weiterlesen...
Wer als Senior noch Sex hat, bleibt klarer im Kopf
Alt ist relativ und beim aktiven Sexualleben ist neben der Regelmäßigkeit auch die subjektive Qualität relevant, damit der sinnlich motivierte Körper einen frischen Geist belebt. weiterlesen...
Risikowetter bei Atemnot
Für Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atmung ist Wetter eine saisonal wechselhafte Herausforderung für die Gesundheit. Das gilt sogar für Spanien, wo die Winter milder und die Sommer noch heißer sind als hier in Mitteleuropa. Auch dort werden während der kühleren Jahreszeit mehr Menschen mit Atemwegserkrankungen in Kliniken eingeliefert als im extrem heißen Sommer. Andererseits verlaufen die akuten Krisen bei Hitze deutlich häufiger dramatisch bis tragisch. weiterlesen...