Wetter
Winterverlängernde Westwetterlage
„Dragi“, „Eberhard“, „Franz“ und nun auch noch „Gebhard“, ein steter Reigen stürmischer Atlantiktiefs zieht derzeit über Mitteleuropa hinweg. Jedes mal sinkt die Temperatur ein wenig tiefer, inzwischen schneit es auch wieder in Mittelgebirgslagen. Andererseits springt in den kurzen Warmfrontepisoden das Thermometer über 15°C - um mit der nachfolgenden Kaltfront wieder abzustürzen. Für wetterempfindliche Menschen ist diese oftmals stürmisch nasskalte Wetterlage mit starken Temperaturschwankungen eine enorme Gesundheitsbelastung.
Durch den Kontrast zum weitgehend sonnigen und ungewöhnlich milden Februar fühlt sich das Wetter Mitte März wie grimmiger Winter an. Niemand möchte unnötig viel Zeit im Freien verbringen. Doch das aktuelle Szenario ist nicht grässlicher Sonderfall, sondern die hierzulande für die Jahreszeit „normale“ Witterung: eine stabile winterliche Westwetterlage. Das bedeutet, dass Tiefdruckgebiete auf einer Zugbahn von Neufundland (vor Kanada) über Südgrönland nach Irland und Schottland anschließend weiter über Nord- und Ostsee und das Baltikum nach Russland den Nordrand Mitteleuropas passieren. Danach lösen sich die inzwischen gealterten Tiefs (Warm- und Kaltfront sind zur Okklusionsfront vereinigt, die Druckunterschiede zur Umgebung weitgehend ausgeglichen) auf oder werden vom Festlandshoch aufgefüllt.
Bemerkenswert ist die dichte Folge von Tiefdruckgebieten, ein Zwischenhocheinfluss mit milder trockener Luft kann sich derzeit nicht dazwischen drängen. Regen und mancherorts auch wieder Schneefall kühlen die Luft immer weiter ab. Hohe Luftfeuchte und stürmischer Wind verstärken den Wärmeverlust beim Aufenthalt im Freien. Die gefühlte Temperatur liegt weit unter dem Thermometerwert, oftmals fühlt sich das Wetter frostig an. Eigentlich sind solche aktiven Westwetterlagen üblich in dieser Jahreszeit. Sie sind aber in den letzten Jahren während des Spätwinters seltener geworden. Auch das sprichwörtlich wechselhafte Aprilwetter geht auf diese Großwetterlage zurück.
So ist nicht garantiert, dass mit dem astronomischen Frühlingsbeginn am 20. März eine Sonnenscheinperiode mit steil ansteigender Lufttemperatur beginnt. Zwar haben die trockenwarmen Wochen im Februar die Naturentwicklung beschleunigt, doch derzeit pausieren Pflanzenwachstum und weiteres Frühlingserwachen. Die längeren lichten Tage wecken Vitalität und animieren zu größerer Agilität, doch beim Blick durchs Fenster schwindet die Begeisterung für Frischluftaktivitäten.
Wetterempfindliche Menschen leiden unter diesen Bedingungen. Muskeln schmerzen oder verkrampfen sich, Asthmaanfälle drohen, die Morgensteifigkeit bei Rheuma hält ungewöhnlich lange an, das Risiko für Migräneattacken steigt, Konzentrationsprobleme beeinträchtigen die Motivationsbereitschaft.
Das unbeständige und zum Teil stürmische Wetter bleibt vorerst dynamisch stabil. Ein Sturmtief jagt das Nächste und somit gibt es vorerst keine Chance, dass sich ein frühlingsverheißendes Hochdruckgebiet durchsetzen. Bestenfalls gelangt mit dem Südwind einer Warmfront für einige Stunden frühlingshaft warme Luft nach Mitteleuropa - kurz vor der nächsten Kaltfront mit Sturm, Regen und womöglich Schnee.
Quellen: Dipl.-Met. Marco Manitta: Ein Sturmtief jagt das Nächste. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 11.03.2019
Dipl.-Met. Sabine Krüger: Frühlingserwachen. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 12.03.2019
MSc.-Met. Sebastian Schappert: "FRANZ" - das nächste Sturmtief. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 13.03.2019
Erstellt am 15. März 2019
Zuletzt aktualisiert am 15. März 2019
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