Wetter
Märzwinter zum Frühlingsbeginn
Noch plagt die Menschen hierzulande der Konflikt zwischen Lust und Verantwortung, zwischen dem Drang nach draussen in den frühsommerlichen Sonnenschein und der Erkenntnis, dass man aufgrund der Corona-Epidemie zu Hause bleiben sollte. Dieser Gewissenskonflikt wird abgemildert, denn schon zum ersten Tag nach Frühlingsbeginn am 20. März wird es wieder winterlich kalt.
Es bleibt sonnig, aber ein kräftiger Ostwind tausche die angewärmte Luft gegen eiskalte Festlandsluft. Von Tagesmaxima über 20°C im Südwesten Deutschlands und in weiten Teilen Österreichs auf eine Höchsttemperatur um 7°C, frühmorgens wird es frostig. Es ist möglich, dass die Kältewelle dieses Märzwinters im Frühling eine längere Periode von Tagen mit Bodenfrost mit sich bringt, als der gesamte Winter 2019-2020. In den Mittelgebirgen ist auch Schneefall möglich, in niedrigen Regionen Schneeregen.
Der Einbruch des Märzwinters ist nach einem sehr milden Winter nicht ungewöhnlich. Der Temperatursturz diesmal aber besonders markant; Gerade dort, wo bislang die höchsten Tagesmaxima gemessen wurden. Doch die Thermometerwerte geben die Folgen des dynamischen Luftmassenaustauschs für die Menschen nur unvollständig wider. Durch den kräftigen eiskalten Ostwind fällt die gefühlte Temperatur, die letztendlich die Körperreaktionen auf das Wetter bestimmt und deshalb auch Grundlage der Menschenswetter-Vorhersagen ist, sogar tagsüber unter 0°C. Für die Mehrzahl de rMenschen hierzulande ist das ein hinreichender Grund trotz Sonnenschein in ihrem Wohnungen zu bleiben. Für wetterempfindliche Menschen ist der markante Wetterwechsel ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko - zusätzlich zur Corona-Epidemie.
Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere Hypertonie bedeutet der rasche Temperaturrückgang ein zusätzliches Infarktrisiko. Durch den Kältereiz verengen sich die Adern und damit steigt der Bluthochdruck. Rheumatische Beschwerden und Muskelverkrampfungen könne zunehmen. Vor allem ältere Menschen mit labilem Kreislauf klagen über unsicherem Gang und allgemein ein schmerzhafteres, steiferes Körpergefühl mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit. Auch aus diesem Grund sollte sich diese Personengruppe den Aufenthalt im Freien ersparen - zumal die Wahrscheinlichkeit für Virusinfektionen bei Kälte ohnehin höher ist als in warmer Umgebung.
Verantwortlich für den frostigen Luftmassenaustausch ist eine Verlagerung von Hochdruckgebieten (Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum) über Mitteleuropa. Das bislang hierzulande wetterebestimmende Hoch „Ingolf“ weicht südwärts aus und macht einem Hochdruckkomplex Platz der sich um ein Tief über der Iberischen Halbinsel herum von den Azoren aus im weiten Boden über den Atlantik bis nach Skandinavien bewegt. An der Südflanke dieses Hochs wird mit großer Vehemenz eiskalte Festlandsluft aus Russland nach Mitteleuropa transportiert. Da Hochdruckgebiete im Vergleich zu rasch ziehenden Tiefs recht ortstreu sind bleibt der Kaltlufttransport mehrere Tage stabil und damit auch die Abkühlung dieses Märzwinter-Einbruchs.
Quellen: Eigenartikel der Menschenswetter Redaktion
Zusatzinformation zum Infektionsrisiko bei Kälte mit weiteren Quellen:
Westermann, H. (2017): Temperatursturz unterstützt Grippe Infektion - Welle der Neuerkrankungen folgt der Temperaturkurve. Menschenswetter Artikel 1458.
Erstellt am 20. März 2020
Zuletzt aktualisiert am 20. März 2020
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