Wetter

Wechselhaftes Wetter zu Weihnachten und Neujahr

von Holger Westermann

Selten war die Wetterprognose für die Zeit zwischen Wintersonnenwende und Jahreswechsel so spektakulär wie diesmal. Mitteleuropa startet mit 15°C, erlebt Nebel und leichtem Regen, gefolgt von einem Temperatursturz mit intensivem Niederschlag, der Landschaften bis zur Überschwemmung flutet, anschließend rauscht ein Sturm heran auf den von Nordwesten eine weitere Kaltfront folgt, die ab den Mittelgebirgen Schnee bis in die Niederungen mit sich bringt. Vielleicht bleibt der Schnee sogar liegen, sodaß dieses seltsame Jahr 2020 unter einer weißen Decke verschwindet. Nur im Südosten Österreichs passiert währenddessen bei kühler Luft um 7°C, Sonnenschein und einigen Wolken kaum etwas.

 

Bis einschließlich Mittwoch den 23. Dezember bleibt es meist regnerisch, oft stark windig und dabei mit Tagesmaxima um die 10°C sehr mild. Entlang einer Luftmassengrenze über Deutschland regnet es immer wieder, mancherorts auch ausdauernd - insbesondere in den Staulagen der westlichen und zentralen Mittelgebirge. Dort summiert sich der Niederschlag in den kommenden 2 bis 3 Tagen auf über 50l/m2. In engen Tälern oder am Zusammenfluss von Wasserläufen können Landschaften überschwemmt werden. Dann dreht der Wind auf West bis Südwest, frischt stürmisch auf und führt noch wärmere Luft heran. Im Südwesten und entlang des Rheins können Höchstwerte um 16°C erreicht werden.

An Heiligabend verlagert sich das Zentrum der Niederschläge südwärts. Im Norden lugt die Sonne zwischen den abziehenden Wolken hervor. Doch dann dreht der Wind im Tagesverlauf zunehmend auf Nord und mit großer Vehemenz strömt deutlich kühlere Luft heran. Die Temperatur fällt rasant und parallel dazu sinkt die Schneefallgrenze. Im Norden aufkommende Schauer können dann auch in den Niederungen schon als Schnee, Schneeregen oder Graupel fallen. Erreicht die Schauerlinie die Mittelgebirge markiert die 300m-Linie die Schneefallgrenze. Den Schwarzwald und die Schwäbische Alb erreicht die Kaltluft mit der Schneefront im Laufe des Abends und den Alpenrand in der ersten Nachthälfte zum 1. Weihnachtsfeiertag. Dann breitet sich der Schneefall auch entlang der Donau aus.

In den südlichen und östlichen Mittelgebirgen und an den Alpen dürfte sich am Freitagfrüh oberhalb etwa 400 bis 500m eine geschlossene Schneedecke breiten. In den übrigen Regionen kann es zumindest zeitweise schneien, wobei die Chancen auf weiße Landschaften in niedrigen Lagen klein bleiben. Dafür ist noch zuviel Restwärme im Boden vorhanden und die Lufttemperatur ist mit -1 bis +5°C noch zu mild. Doch insgesamt summiert sich der Niederschlag, Regen vor Heiligabend und Schnee über die Weihnachtstage gebietsweise auf 60 bis 100l/m2. Damit erfüllt der Dezember 2020 im Endspurt sein Wassersoll für die von der monatelangen Trockenheit geplagte Landschaft.

Doch das Jahr ist dann noch nicht vorüber und die Dynamik der Wetterentwicklung noch nicht erschöpft. Der Zustrom kalter Luft verlangsamt sich, hält aber an und die Temperatur geht weiter zurück. Fällt jetzt noch Niederschlag so wird es schneien. Wo wieviel Schnee fallen wird und wo es stürmen und wie lang die Sonne scheinen wird, das kann bei dieser Wetterdynamik noch nicht vorhergesagt werden. Sicher ist aber, dass sich dieser Wettertrend bis zum Jahreswechsel halten wird.

Durch den oft kräftigen Wind und den drastischen Gegensatz zum bislang sehr milden Winterwetter fühlt sich die Temperatur deutlich kälter an, als es der Thermometerwert vermuten lässt. Wärmende Wintergarderobe ist dann sicherlich die beste Wahl. Während der Weihnachtszeit und den folgen Tagen wird es immer wieder Wetterberuhigung und Aufheiterungen, sogar kurze Sonnenscheinepisoden geben. Wer im Reigen der Festtagsbräuche just zu dieser Zeit ein Pause einlegen kann, sollte die Gelegenheit für einen Winterspaziergang nutzen. Wer weiß wann man hierzulande mal wieder durch weiße Landschaften flanieren kann.

Genießen Sie den versöhnlichen Ausklang des Jahres 2020 - und bleiben Sie gesund! Ihr Menschenswetter-Team

Quellen:

Dipl.-Met. Sabine Krüger: Das Wetter in der Weihnachtswoche. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 21.12.2020

Erstellt am 21. Dezember 2020
Zuletzt aktualisiert am 22. Dezember 2020

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