Pfingsten 2014 wird allerorten sonnig und heiß
Rasanter Wetterwechsel belastet die Gesundheit
In den kommenden Tagen wird es in Mitteleuropa richtig heiß. Gestern noch wolkenverhangener Himmel und vielerorts Regen, übermorgen schon sommerlicher Sonnenschein mit Tagesmaxima über 30°C. Für Herz und Kreislauf bedeutet der rasche Temperaturanstieg eine enorme Belastung, denn der Körper muss sich auf die thermische Herausforderung einstellen. Menschen mit dauerhaften oder immer wiederkehrenden Erkrankungen gelingt das nicht so mühelos wie jungen Sportlern.
Zwischen einem Hochdruckgebiet im Western (Luftmassen strömen darin mit dem Uhrzeigersinn) und einem Tief im Osten (Luftstrom entgegen dem Uhrzeigersinn) entsteht eine stabile Südströmung. Zum verlängerten Pfingst-Wochenende erreicht Warmluft aus Nordafrika Mitteleuropa. Die Temperatur steigt schon am Samstag auf knapp 30°C, an den Pfingsttagen wird es noch heißer. Nur an den deutschen Küsten bleibt es mit maximal 25°C noch angenehm warm.
Dabei sprechen die Meteorologen von Thermometerwerten im Schatten. Die körperliche Hitze-Belastung bewirkt jedoch die gefühlte Temperatur. Dabei wird berücksichtigt, wie gut bei diesen Bedingungen die Körpertemperatur auf 36,5°C reguliert werden kann. Bei großer Hitze gelingt es nicht mehr zuverlässig, die durch Muskeltätigkeit (auch Herz- und Darmmuskulatur) oder Organaktivität (insbesondere Leber) erzeugte Wärme abzuführen. Zunächst weiten sich die Adern, damit das Blut als Wärmetransporteur eine größere Kontaktfläche zur kühleren Haut erhält. Um die Haut aktiv zu kühlen wird sie angefeuchtet, die Menschen beginnen zu schwitzen. Verdunstet Flüssigkeit entzieht sie ihrer Umgebung Wärme. Doch bei hoher Luftfeuchte funktioniert die Schweisskühlung der Haut nicht mehr. Die feuchte Luft kann kein Wasser mehr aufnehmen, der Schweiss rinnt wirkungslos am Körper hinunter, die erwünschte Kühlung der Haut bleibt aus, die gefühlte Temperatur steigt - auch wenn sich am Thermometerwert nichts ändert.
Bei sommerlichem Wetter summieren sich die Temperatureffekte:
- Direkte Sonneneinstrahlung ist deutlich wärmer als die meteorologische Schattentemperatur, dunkle Kleidung verstärkt den Effekt
- Warme Luft kann vergleichsweise viel Feuchte tragen; eine Abkühlung bringt kaum Linderung, denn dann steigt die relative Luftfeuchte an und damit sinkt die Fähigkeit weitere Feuchtigkeit (aus dem Schweiß) aufzunehmen
- Reflexion der Wärmestrahlung an Hauswänden, aber auch an Wasseroberflächen (Badeseen) addiert sich zur direkten Einstrahlung
- Längere Trockenheit verstärkt die Staubbelastung und damit die Gesundheitsbelastung durch Wärme
- In warmer Luft ist die Moleküldichte geringer als in kühler, damit sinkt auch die Sauerstoff-Konzentration pro m3; weniger Sauerstoff je Atemzug
- Kommt nach Hitze mit trockenheißer Luft Schwüle auf, sinkt oftmals der Thermometerwert deutlich, aber die gefühlte Temperatur steigt nochmals an
Ein Gutteil dieser Effekt wird in den kommenden Tagen in Mitteleuropa nachhaltig wirksam. Vorerst ist keine Abkühlung in Sicht. Die Position der Hoch- und Tiefdruck-Verteilung stabilisiert sich und führt unablässig trockenheiße Saharaluft heran. Es wird nicht nur heiß sondern auch staubig. Durch Verdunstung der Bodenfeuchte steigt mancherorts die Luftfeuchte, dann können lokal einzelne Hitzegewitter auftreten.
Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen aber auch mit Atemwegserkrankungen ist dieser Wetterwechsel eine enorme Gesundheitsbelastung. Aber auch Konzentrationsprobleme, Schwankungen der Motivations- und Leistungsbereitschaft und Schlafstörungen können auftreten oder sich verstärken. Ältere Menschen sowie junge Frauen leiden oftmals unter einer reduzierten Muskelspannung oder niedrigem Blutdruck (Hypotonie). Bei Hitze können dann vorübergehend Muskelschwäche und Schwindelgefühle auftreten.
Es sind also nicht nur chronisch kranke Menschen von Wetterfühligkeit (wetterbedingte Veränderung des körperlichen und seelischen Allgemeinbefindens) und Wetterempfindlichkeit (Auftreten oder verstärken von Symptomen etablierter Erkrankungen) betroffen. In einer Studie des Instituts und Poliklinik für Arbeits- und Umweltmedizin, des Instituts für Medizinische Psychologie (beide Ludwig Maximilian Universität München, LMU) sowie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahre 2001 gaben von den 1.064 Befragten 54,5 % an, dass das Wetter einen Einfluss auf ihre Gesundheit habe. Die häufigsten Symptome waren dabei Kopfschmerzen und Migräne (61%), Abgeschlagenheit (47%), Schlafstörungen (46%) und Müdigkeit (42%). 32% der Wetterfühligen waren im Jahr vor der Befragung mindestens einmal nicht in der Lage, ihrer normalen Tätigkeit nachzugehen.
Der bedeutsamste Einfluss des Wetterwechsels zu Pfingsten wird jedoch sein, dass Strände, die Ufer der Baggerseen sowie Freibäder überfüllt sind, sich Menschen je nach Gusto in Eiscafés oder Biergärten drängen und es allerorten nach Bratwurst riecht. Und Drogerien und Apotheken sollten einen Rekordumsatz an Sonnenschutzcreme erzielen – denn so kurz vor dem Höchststand der Sonne am Himmel über Mitteleuropa (21. Juni) ist die Sonnenbrand-Gefahr exorbitant.
Quellen: Dipl.-Met. Tobias Reinartz: Wenn das Wetter umschwenkt. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 29.05.2014
Erstellt am 5. Juni 2014
Zuletzt aktualisiert am 5. Juni 2014
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