Sorgen und Informationen einbringen
Patienten-Arzt-Gespräch
Heutzutage ist es aus vielen Gründen für jüngst Erkrankte einfacher zum Computer zu gehen als zum Arzt. Erst einmal im Internet nachsehen, was die Symptome bedeuten, welche Krankheit die Gesundheit angegriffen hat. Doch sitzt man dann im Sprechzimmer, will der Arzt davon gar nichts wissen - warum eigentlich nicht?
Für die Ärzte ist es ein zunehmend bedeutsames Phänomen, dass immer mehr Patienten mit selbstgesammelten Vorabinformationen in die Praxis kommen. Dabei zeigt sich sehr häufig, dass auch im Internet die richtigen Antworten nur dann gegeben werden, wenn zuvor die richten Fragen gestellt wurden. Viele eingetippte Suchanfragen werden heute durch einen „Künstliche Intelligenz“ beantwortet, die zunächst die Fragestellung interpretiert und dann auf sehr vielen Webseiten nach passenden Informationen sucht, sie auswählt und im Idealfall auch noch nach Informationsgehalt gewichtet, um dann daraus selbst einen Text zu formulieren. Dieser wird dann vom Patienten gelesen und nach seinen gewohnten Kriterien für Gesundheit und Krankheit interpretiert. Das Ergebnis muss nicht in jedem Fall mit dem aktuellen Stand der Medizin übereinstimmen. Dennoch möchten viele Patienten genau darüber mit ihrem Arzt sprechen.
Für die Ärzte ist eine schwierige Situation, aber eine zunehmend alltägliche. Laut einer Umfrage der Physicians Foundation aus dem Jahr 2025 berichten 86% der Ärzte in den USA, heutzutage häufiger durch Patienten mit Fehlinformationen konfrontiert zu werden als noch vor 5 Jahren. Für die freie Medizinjournalistin Debbie Koenig war das Anlass auf dem Fachportal medscape einen Artikel zu verfassen der den Ärzten 5 Tipps gibt, wie sie sich in solchen Situationen patientengerecht verhalten. Die Ratschläge kann man auch aus Patientenperspektive lesen: Wie kann ich verhindern, dass meine Informationen und auch Sorgen im Sprechzimmergespräch untergehen.
Ein solches Gespräch findet niemals „auf Augenhöhe“ statt, wie oftmals realitätsfern gefordert wird. Der Arzt ist nun mal der Experte und der internetinformierte Patient bestenfalls ein belesener Laie. Jedoch darf der Patient erwarten von seinem Arzt „gehört zu werden“. Denn den Expertenstatus beansprucht auch der Ratgeber aus dem Internet und zumeist sind dort die Akteure viel besser geschult darin, empathische Zugewandtheit vorzuführen. Es ist daher für Patienten sicherlich kein besonders guter Gesprächseinstieg, die besondere Qualität der Informationsquelle aus dem Internet - bewusst gewählt oder unbeabsichtigt - in Konkurrenz zum Arzt vorzustellen.
Doch nun zu den fünf Tipps, die von der Journalistin für die Ärzte ausgewählt wurden und was sie für Patienten bedeuten, die an einem erfolgreichen Patienten-Arzt-Gespräch interessiert sind.
Tipp 1: „Zuhören – und dann gezielt nachfragen“; denn viele Ärzte unterbrechen ihre Patienten sehr rasch, sobald sie aus eigenem Antrieb etwas über ihre Gesundheit erzählen, durchschnittlich nach 11 Sekunden. Gut geschulte Ärzte gedulden sich etwas länger. Patienten können das unterstützen, indem sie gut vorbereitet in das Gespräch gehen, indem sie sich ihr Anliegen und die Kernargumente vorab überlegen. Wer dann zuerst die wichtigsten Punkte nennt und die Erklärungen dazu erst nachschiebt, darf auf größere Aufmerksamkeit hoffen.
Tipp 2: „Nonverbale Kommunikation gezielt einsetzen“; kritisiert den ständigen Blick der Ärzte auf den Computer anstatt auf den hilfesuchenden Gesprächspartner gegenüber. Für den Patienten gilt aber das selbe, auch seine Körpersprache ist wesentlicher Teil der Kommunikation. Verschränkte Arme wirke in beide Richtungen abweisend, übereinander geschlagene Beine signalisieren lässiges Desinteresse. Augenkontakt ist dagegen ein Aufmerksamkeitsmagnet.
Tipp 3: „Unsicherheit offen ansprechen“; fordert Ehrlichkeit vom Arzt, wenn es für eine Diagnose oder eine bestimmte Therapie keine eindeutig wissenschaftlich abgesicherte Grundlage (Evidenz) gibt. Für Patienten kann dieser Tipp auch als Aufforderung zur Darlegung der eigenen Sorgen gelesen werden, die zur Nachforschung im Internet motivierte. Kenn der Arzt diesen Anlass oder Auslöser, fällt es ihm viel leichter auf die dahinterstehenden Sorgen und Befürchtungen einzugehen.
Tipp 4: „Das eigene Wissen mit Fingerspitzengefühl einsetzen“; wird hier auch übersetzt als „Besserwisser sind unbeliebt“. Doch genau diesen Schuh können sich auch manche Patienten anziehen. Die Lektüre der Zusammenstellungen von KI-gesteuerten Internetsuchmaschinen bewirkt noch kein „Wissen“, das selbstbewusstes Beharren rechtfertigt. Was allerdings dadurch gelingen kann ist, dass dem Arzt als Experten die richtigen Fragen gestellt werden, um die eigenen Sorgen und Befürchtungen zufriedenstellend zu besprechen. Dafür kann die Internetabfrage eine sinnvolle Vorbereitung sein.
Tipp 5: „Den Dialog fortsetzen“; hebt darauf ab, dass es beim Patienten-Arzt-Gespräch nicht darum gehe „recht zu behalten“, sondern „im Gespräch zu bleiben“. Doch allzu häufig finden die Gespräche zwischen diesem Patienten und diesem Arzt gar nicht statt. Daher geht es auch darum zu erfahren, welchen Informationsquellen im Internet sie vertrauen können und wo sie besser skeptisch bleiben. Hier haben viele Ärzte auch ihre persönlich bevorzugten Webseiten, die patientengerecht formulierte Texte anbieten - fragen Sie danach. Erweisen sich die empfohlenen Internetquellen als zu viel „Fachchinesisch“ ist es möglich sie mit Unterstützung einer KI in einfachere Sprache übersetzen lassen. Manche Browser oder Suchmaschinen bieten diesen Service inzwischen per Klick an. Das ist dann eine hilfreiche Unterstützung der modernen Technik für den Informationsgewinn bei schwierigen medizinischen Themen, ohne sich auch bei der Auswahl in deren Hand zu geben.
In ihrem Fazit formuliert die Medizinjournalistin „Vertrauen statt Konfrontation“ und das kann man nun wirklich in beide Seiten lesen: Patient zum Arzt wie Arzt zum Patient. Letztendlich profitiert vor allem der Patient von einer gelungenen Patienten-Arzt-Kommunikation; deshalb lohnt der Einsatz sich auf diese Gespräche gut vorzubereiten.
Quellen: Koenig, D. (2025): 5 Tipps: Wie sollten Ärzte reagieren, wenn Patienten mit Fehlinformationen aus dem Internet in die Sprechstunde kommen?. Medscape Deutschland, online veröffentlicht 25.03. 2025. (im Original auf Medscape USA am 17.03. 2025: How to Build Trust When Patients Believe Misinformation)
Erstellt am 26. März 2026
Zuletzt aktualisiert am 26. März 2026
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