Wetter
Mildes Wetter durch zykolonale Westlage
Orkantief „Jonas“ bedeckte die Ostküste der USA mit 70cm Neuschnee. Inzwischen wanderte der Blizzard über den Atlantik und wandelte sich zum Sturmtief „Karin“. Dabei erwärmte das Meerwasser die Luft, die dadurch viel Wasserdampf aufsog. Über Großbritannien wird das Tief gestoppt und die Wasserfracht regnet ab. Hierzulande, an der Südostflanke des Tiefs flutet Warmluft die Landschaft.
Das Wetter in Mitteleuropa gestalten Großwetterlagen, die für einige Tage oder gar Wochen anhalten. Wenn sich im Sommer das Azorenhoch nordwärts reckt, strahlt wochenlang die Sonne vom wolkenlosen Himmel. Auch im Winter ist eine Hochdruck-Wetterlage (antizyklonal) typisch, nur dehnt sich dann ein Festlandhoch vom Baltikum oder aus Russland bis nach Mitteleuropa. Die Folge ist Sonnenschein mit Dauerfrost. In den Übergangsjahreszeiten Frühjahr und Herbst wird das Wetter hierzulande zumeist von Tiefdruckgebieten (zyklonal) bestimmt.
Derzeit erkennen die Meteorologen eine „zyklonale Westlage" (wiss. Abkürzung Wz) über Europa. Dabei steht „zyklonal“ für „maßgeblich durch Tiefdruckgebiete gestaltet“ und „Westlage“ für die Richtung, aus der dieser Einfluss auf Mitteleuropa einwirkt, aus Westen. Das Sturmtief „Karin“ (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum) zieht vom Nordatlantik nach Fennoskandien (Skandinavien + Finnland). Eine Hochdruckzone (Luftströmung im Uhrzeigersinn), die sich von den Kanarischen Inseln bis in den zentralen Mittelmeerraum erstreckt, blockiert den raschen Weiterzug des Tiefs. Über Großbritannien regnet es seither ausgiebig.
Zwischen den beiden Druckgebilden etabliert sich eine Strömung, die Warmluft vom Mittelmeer nach Mitteleuropa und dem Atlantik lenkt. Der Temperatursprung von -10°C auf +10°C innerhalb von drei Tagen belastet die Gesundheit vieler Menschen. Da dieser Wetterwechsel von Regen (mancherorts auch Glatteisregen) und Sturm begleitet wurde, verharrte die gefühlte Temperatur noch länger auf Frostniveau, während das Thermometer bereits höhere Werte anzeigte. Die Menschen empfanden den Temperatursprung daher oftmals noch drastischer, als er aufgrund der physikalischen Temperatur angekündigt wurde.
In den kommenden Tagen wird die Temperatur mancherorts über 15°C steigen, dabei wirkt der stürmische Wind jedoch kühlend. Winddichte wärmende Kleidung erscheint zweckmäßig, kann aber bei körperlicher Anstrengung schweißtreibend wirken. Ein unangenehmes Körpergefühl ist die unabwendbare Folge. Obwohl derzeit definitiv noch Winter ist, muss nicht zwingend winterliche Garderobe getragen werden.
Quellen: Dipl.-Met. Thomas Ruppert: Zyklonale Westlage. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 26.01.2016
Erstellt am 27. Januar 2016
Zuletzt aktualisiert am 28. Januar 2016
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