Neue Therapie verspricht Verzicht auf Operationen

Fruchtextrakt löst Nierensteine auf

von Holger Westermann

Die häufigste Form der Nephrolithen (griechisch nephrós ‚Niere‘; líthos ‚Stein‘) sind Kalziumoxalatkristalle (65%). Mit dem Fruchtextrakt Hydroxycitrat ist es nun gelungen, das Wachstum der Kristalle aufzuhalten und sie sogar wieder aufzulösen. Womöglich gelingt zukünftig auch ohne Operation die schmerzfreie Beseitigung von Nierensteinen.

Nierensteine plagen hierzulande rund 12% der Männer und 7% der Frauen. Zur Prävention empfiehlt man Risiko-Patienten viel zu trinken und oxalatreiche Nahrungsmittel (Rhabarber, Spinat, Mandeln) zu meiden. Verhindern ließ sich das Steinwachstum damit nicht, bestenfalls verzögern. Eine Arbeitsgruppe der Universität von Houston (Texas, USA) berichtet nun über Experimente, bei denen durch den natürlichen Fruchtextrakt Hydroxycitrat (HCA) das Wachstum von Kalziumoxalatsteinen verhindert werden konnte und sogar ein Schrumpfen der Steine durch Auflösen des Kalziumoxalats erreicht wurde.

Um die Wirkung des HCA zu bewerten, verglichen sie den Effekt mit dem in der Nierenstein-Prophylaxe seit Jahrzehnten bewährten Nahrungsergänzungsmittel Citrat. Dabei erwies sich HCA als wirkungsvoller und effektiver. Auch Citrat hemmt die Neubildung von Kalziumoxalatkristallen (wenn auch weniger als HCA), kann sie aber nicht auflösen. Eine Untersuchung unterm Rasterelektronenmikroskopie (atomic force microscopy / AFM) bestätigte das unterschiedliche Kristallwachstum unter Einwirkung von Citrat oder HCA bei nahezu molekularer Auflösung. Die AFM-Bilder vom HCA-Experiment dokumentierten, wie die Kristalle schrumpften; im Citrat-Experiment konnte der Effekt nicht festgestellt werden.

In einem kleinen Experiment mit drei Personen wurde über drei Tage die Verträglichkeit von HCA getestet. Die Probanden nahmen HCA täglich als Nahrungsergänzungsmittel zu sich; es wurde problemlos über den Urin wieder ausgeschieden. Insofern ist der Wirkstoff prinzipiell als Therapeutikum einsetzbar. So sind die Forscher in ihrem Fazit zuversichtlich: „HCA zeigt sich vielversprechend als potentielle Therapie für Nierensteine.”

Quellen:

Chung, J. et al. (2016): Molecular modifiers reveal a mechanism of pathological crystal growth inhibition. Nature 536: 446–450. doi:10.1038/nature19062.

Erstellt am 24. März 2017
Zuletzt aktualisiert am 25. März 2017

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