Wetter
Novembersommer

Das garstig nasskalte Wetter mit Schneefall und Frost lässt frösteln. In den Alpen und Hochlagen der Mittelgebirge begann die Skisaison. Wetterempfindliche Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen, Gelenkschmerzen oder Atembeschwerden spürten den Kaltlufteinstrom besonders intensiv. Doch der Spuk ist bald vorbei, denn der Novembersommer vertreibt den Frühwinter.
Das Skandinavientief „Peter“ (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum) mit seinen Satellitentiefs „Peter I bis III“ wird durch das Westeuropahoch „Zoe“ (Luftströmung im Uhrzeigersinn) an seiner Position festgehalten. Zwischen den beiden Luftdruckwirbeln etablierte sich eine stabile und stramme nördliche Strömung, die kühle Meeresluft polaren Ursprungs nach Mitteleuropa transportierte. Die Schneefallgrenze sank auf 400m, so dass sich nun mancherorts eine solide Neuschneedecke über die Landschaft breitet. Einige Skigebiete haben bereits die Saison eröffnet, Loipen gespurt und den Liftbetrieb gestartet.
Seitdem „Zoe“ schwächelt, drängen „Peter“ und seine Satelliten wieder ostwärts und der Wind dreht auf West bis Südwest. Damit werden sehr viel milder temperierte Luftreservoirs über dem golfstromerwärmten Atlantik angezapft. Der Regen wird wärmer und die Schneefallgrenze steigt wieder über die Gipfelwerte der Mittelgebirge.
Parallel dazu entwickelt sich über Südeuropa ein Hochdruckgebiet und auf den Ost- und Nordatlantik reihen sich neue Tiefdruckgebiete auf. Die Wetterlage ist nicht mehr so stabil wie während des Frühwinter-Intermezos, es wird wechselhaft. Das bedeutet, dass auch immer wieder Warmluftepisoden auftreten, wenn eine südwestliche Grundströmung Luft aus den Gebieten zwischen den Azoren und der Iberischen Halbinsel anzapft und weit nach Nordosten pumpt.
Damit sind die Voraussetzungen für einen "Novembersommer" erfüllt. Darunter verstehen Meteorologen den Zustrom warmer Luft nach Mitteleuropa aus Süden oder Südwesten. Das Thermometer steigt rasch an und erreicht 12 bis 18°C, im Süden höhere Werte als an den Küsten von Nord- und Ostsee. In Lee (vom Wind abgewandte Seite) der Mittelgebirge, beispielsweise am Osthang des Schwarzwaldes oder am Nordhang des Siebengebirges (Kölner Bucht) und an den Alpen kann Föhn auftreten, wodurch die Luft besonders trocken und warm wird. Nicht überall bringt der Novembersommer auch Sonnenschein; im Norden und Westen Deutschlands, nahe der Tiefs über den Britischen Inseln und dem Ostatlantik, schiebt stürmischer Wind wiederholt Schauerwolken heran.
So bleibt der Kälteeinbruch am Volkstrauertag 2017 ein grausiges Wetterintermezzo, das ein milder Novembersommer ablöst. Die Betreiber von Wintersportangeboten müssen bangen, dass der frühe Saisonstart allein den Verkäufern des Equipments nützt. Sie profitieren von der frühzeitigen Erinnerung der Skifahrer, Rodler und Schlittschuhläufer an Ergänzung oder Ersatz der Ausrüstung. In den zurückliegenden Jahren kam dieser Impuls zu spät, um das Geschäft anzukurbeln.
Für wetterempfindliche Menschen ist das rasante Auf und Ab der Temperatur ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko. Sind die Spannen zwischen Maximum und Minimum der Mittagstemperatur innerhalb weniger Tage schon drastisch, so ist die Differenz der gefühlten Temperatur bedrohlich. Durch Wind, Regen, Schnee und klamme Feuchte empfanden die Menschen den Kälteeinbruch vielerorts frostig kalt. Der nun folgende sehr rasche Temperaturanstieg, mit Föhnunterstützung durch extrem trockene Luft, fordert vom Körper eine enorme Anpassungsleistung. Gesunden Menschen gelingt das meist gut, nur wenige klagen über Schwindel, Konzentrationsprobleme oder Kopfschmerzen. Menschen mit angegriffener Gesundheit müsse dagegen bei den rasanten Temperaturwechsel vorsichtig sein. Dann kann der Schwindel oder die Konzentrationsschwäche die Souveränität im Straßenverkehr beeinträchtigen, den Muskeltonus (Muskelspannung, Haltemuskulatur) reduzieren und infolgedessen das Risiko für schwere Stürze erhöhen. Menschen, die ohnehin unter Kopfweh oder gar Migräne leiden, müssen mit Schmerzattacken rechnen. Auch die Schlafqualität kann durch warmen Wind beeinträchtigt werden. Dagegen spüren Menschen mit Muskel- oder Gelenkschmerzen eine Linderung der Bewegungseinschränkung und Schmerzbelastung.
Wie lang der Novembersommer währt lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Der Effekt des markanten Temperaturanstiegs bleibt auf ein, zwei Tage begrenzt. Danach wird das Wetter wieder unbeständig, Regenschauer und Sonnenepisoden wechseln sich ab. Dabei bleibt es aber vergleichsweise mild. Sobald das Tief ostwärts weiterzieht gelangt an seiner Rückseite wieder Polarluft nach Mitteleuropa. Auf den Novembersommer folgt ein vehementer Temperatusturz begleitet von Graupel und Schnee. Für wetterempfindliche Menschen bleibt die weitere Entwickliung eine wechselvolle Gesundheitsbelastung.
Quellen: Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Kommt der "Novembersommer"? Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 19.11.2017
Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann: Das Geschäft mit dem Schnee. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 20.11.2017
Erstellt am 20. November 2017
Zuletzt aktualisiert am 22. November 2017
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