Wetter
Wärmespeicher
In Mitteleuropa war der Sommer 2018 ungewöhnlich warm, trocken und sonnig. Bemerkenswert war die lang anhaltende, nur episodisch von Gewitterabkühlung unterbrochene Hitze und Dürre. Diese ununterbrochene Wärmezufuhr bewirkte eine besonders starkes Aufheizen der Gewässer: von Flüssen, Seen sowie Ost- und Nordsee.
Beispielsweise betrug die durchschnittliche Lufttemperatur während des Sommers auf Helgoland (Offshore Nordsee) 17,7°C und in Rostock (Küste Ostsee) 19,3°C, jeweils rund 3°C über dem Mittel im langjährigen Vergleichszeitraum (1961 - 1990). Dadurch erhitze sich das küstennahe Wasser auf rund 20°C (Ende August; Nordsee 18 - 20°C; Ostsee 19 - 21°C); auch dieser Wert übertrifft den Vergleichswert um rund 3°C.
Das ist doch logisch! Nicht zwingend. Denn Luft und Wasser unterscheiden sich erheblich in ihrer Fähigkeit Wärme zu speichern. Luft erwärmt sich unter Sonnenstrahlung rasch, kühlt aber schnell wieder ab, sobald die Wärmezufuhr endet. Um das selbe Volumen Wasser genau so stark zu erwärmen wird rund vier mal so viel Energie benötigt. Dafür kühlt das Wasser nicht schnell wieder ab. In der Physik spricht man von unterschiedlicher spezifischer Wärmekapazität (Luft < Wasser).
Dieser Sommer wurde nur sehr selten und nur kurzzeitig von Kälteperioden unterbrochen. Die hohe Wärmekapazität des Wasser verhindert ein deutliches Auskühlen, die Gewässer konnten sich stetig erwärmen - an den Küsten und im Binnenland. Inzwischen sind die Nächte bereits spürbar länger als im Hochsommer. Gerade nach sternklaren Nächten ist es morgens besonders frisch, da ohne Wolkendecke die Wärme ungehindert ins Weltall abstrahlt. Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) meldet infolge eines Kaltlufteinstroms am 27.08.2018 die „Kälteste Augustnacht seit 1998“. Entlang der Küsten und an großen Binnengewässern kühlt die Luft dagegen sehr viel zögerlicher ab; die gut geheizte „Wärmflasche“ garantiert weitgehend gleichbleibende Wärme. Selbst eine kurzzeitige Wetterverschlechterung kann durch diesen Effekt überbrückt werden.
Trifft jedoch Kaltluft oder nachts abkühlende Luft auf eine warme Wasseroberfläche können sich Nebel und Regen bilden. Die Herbstmonate sind an den Küsten die regenreiche Saison, abends (oder erst frühmorgens) ziehen Nebel über Strände, Seen, Flüsse und feuchte Wiesen. Charakteristisch ist der Einstrom kalter Luftmassen in größerer Höhe. Dadurch entsteht über dem Wasser ein umgekehrter Temperaturgradient: unten warm, oben kalt. Darin steigt die warme feuchte Luft von der Wasseroberfläche in der Kaltluft auf, die Luftfeuchte kondensiert und es beginnt zu regnen. Diese Niederschläge richten sich häufig entlang der Windrichtung aus und bilden sogenannte „Schauerstraßen“. Dabei ziehen immer wieder dichte Wolken mit Regenbändern über ein und dieselbe Region hinweg und können punktuell zu ergiebigen Niederschlagsmengen führen. Dieser Effekt verstärkt sich in den Nachtstunden noch durch die größeren Temperaturunterschiede zwischen Land und See.
Dieses Wetterphänomen wird heuer (in diesem Jahr) aufgrund der hohen Wassertemperatur häufig und intensiv auftreten, sobald sich eine Wetterlage mit höhenkalter Luft einstellt.
Quellen: Kälteste Augustnacht seit 1998. Pressemitteilung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien vom 27.08.2018.
Dipl.-Met. Robert Hausen: "Dampfbad vor der Haustür“. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 04.09.2018
Erstellt am 5. September 2018
Zuletzt aktualisiert am 5. September 2018
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