Wetter

Regenfreies Frühjahr, Sommerhitze, trockener Herbst, frühzeitiger Frost

von Holger Westermann

In Mitteleuropa ist das Jahr 2018 ein Jahreszeiten-Reigen ohne Regen: Flächendeckend wurden die üblichen Niederschlagsmengen nicht erreicht, vielerorts herrscht Dürre, in einigen Regionen fiel seit dem Frühjahr kein Tropfen. Biergärten, Straßencafés und Schwimmbäder melden Besucherrekorde, Landwirte, Förster und Binnenschiffer beklagen die Folgen des Wassermangels. Viele wetterempfindliche Menschen freuen sich - seitdem die Hitze abgeklungen ist - über das warme, trockene Wetter.

Bayern und Österreich haben es noch vergleichsweise gut getroffen. Hier bleib das Regendefizit 2018 moderat. Am Alpenrand und im Südschwarzwald ist bislang mit 1000 - 1300mm ausreichend Niederschlag gefallen. Wobei auch dies gegenüber dem langjährigen Mittel ein Defizit von 20 bis 30% bedeutet. Weiter im Osten, wo die anhaltend stabile Hochdrucklage seit April (mit nur sehr seltenen Unterbrechungen) jede Regenfront abblockte, fiel lediglich 200 - 300mm Niederschlag. Derart geringe Regenmengen erinnern eher an ein afrikanisches oder asiatisches Steppenklima als an den Osten Mitteleuropas.

Der Herbst erwies sich meteorologisch als Fortsetzung des sonnigen Spätsommers. Fast überall wurde an mehreren Tagen am frühen Nachmittag die 25°C überschritten - man spricht dann von einem Sommertag. Ausnahmen bilden lediglich höhere Berglagen und die Küsten. Aber selbst im 920 Meter hoch gelegenen Meßstetten (Baden-Württemberg) oder in Glückburg (Schleswig-Holstein) stieg die Temperatur zumindest an einem Tag über die Sommerschwelle. Noch im Oktober wurden mancherorts mehrere Sommertage registriert. So zählt man in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) seit 1961 bislang nur 19 Oktober-Sommertage , davon jedoch 7 im Oktober 2018.

Lang anhaltender Landregen, der die Dürre lindern könnte, ist bislang nicht in Sicht. Vielmehr tritt auch in den warmen Flusstälern am frostigen Morgen bereits Raureif auf. Tagsüber erwärmen sich Luft und Boden im Sonnenschein wieder auf 20°C; ein enormer Temperaturanstieg innerhalb von vier Stunden. Diese dynamische Veränderung der Umweltbedingungen erfordert eine ebenso agile Anpassung des Körpers. Für chronisch kranke oder besonders wetterempfindliche Menschen ist das eine enorme Belastung, die Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und Schwindel sowie Konzentrationsschwierigkeiten und Motivationslücken provozieren kann - trotz des positiv wirkenden Sonnenscheins.

In den kommenden Tagen wird sich die Differenz schließen, denn von Nordwest einströmende Kaltluft aus Island und aufziehende Wolken verhindern den bislang so markanten Temperaturanstieg zur Mittagszeit - die frische Kühle am Morgen bleibt bestehen, wenn auch vorerst kein Frost mehr auftreten wird. Die Nächte werden länger, auch bei wolkenlosem Himmel verkürzt sich die Zeit wärmender Sonnenstrahlung und bei niedrigem Stand der Mittagssonne am Himmel schwindet die Strahlungsintensität. Einmal abgekühlt, erreicht die Lufttemperatur nun nicht mehr das bislang in diesem Jahr gewohnte Niveau. Typisches Herbstwetter breitet sich nun über Mitteleuropa - hoffentlich auch mit ausgiebigem Regen.

Quellen:

Dipl.-Met. Dr. Markus Übel: Wann wird's mal wieder richtig regnen? Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 19.10.2018

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Der Sommer im Herbst! Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 20.10.2018

Erstellt am 22. Oktober 2018
Zuletzt aktualisiert am 22. Oktober 2018

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