Entspannung und bessere Schlafqualität
Lavendelduft lindert innere Unruhe
Violette Blüten der Provence sind Symbol für Sommer, Sonne und savoir-vivre. Als Bestandteil der Kräutermischung Herbes de Provence würzt Lavendel sogar im Winter Wärme, Urlaubsstimmung und mediterrane Entschleunigung an Tomatensauce und Braten. Das ist aber kein psychologischer Effekt attraktiver Erinnerungen, der Duft des Lavendelöls wirkt direkt aufs Gehirn - beruhigt, entspannt und verbessert den Schlaf.
Diese positive Wirkung beruht auf dem langkettigen Alkohol Linalool (C10H17OH), der im Öl enthalten ist. Im Gegensatz zum Trinkalkohol (C2H5OH) ist dieses Molekül nur schlecht wasserlöslich. Im Tee oder beim Kochen erleichtert die hohe Temperatur die Aufnahme im Wasser, bei Badezusätzen gelingt das weniger gut. In Kosmetika oder Arzneitinkturen wird zumeist eine ölhaltige Grundlage verwendet.
Forscher der Kagoshima Universität in Japan konnten nun im Experiment mit Mäusen zeigen, dass Linalool über die Nase aufgenommen wird und über eine mehrstufige Wirkkaskade im Gehirn die innere Unruhe senkt und eine höhere Risikobereitschaft stimuliert. Die normalerweise nur bei Dunkelheit aktiven Mäuse waren unter Linalool-Dampf auch bei eingeschaltetem Laborlicht neugierig aktiv. „Wie erwartet, hatte der Duftstoff eine beruhigende Wirkung auf die Nager“, erklären die Forscher ihre Beobachtungen. Mäuse mit dauerhaft blockierten Riechzellen, zeigten dagegen keine Verhaltensänderung. Relevant für die Wirksamkeit ist nicht das Einatmen des Linalools (Absorption über die Lungenschleimhaut), sondern das sensorische Riechen (olfaktorischer Reiz).
In einem weiteren Experiment konnten die Forscher zeigen, dass der GABAA-Rezeptor im Gehirn in dieser Wirkkaskade eine wichtige Rolle spielt. Mäuse mit gesunder Nase aber blockiertem GABAA-Rezeptor (durch Arzneistoff Flumazenil) reagierten nicht mehr auf Linalool. Über diese Rezeptoren wirken beispielsweise auch beruhigende, angstlösende Medikamente aus der Klasse der Benzodiazepine - oder auch der Trinkalkohol. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass Linalool zwar nicht direkt auf die GABAA-Rezeptoren einwirkt – sie aber über Riechneuronen in der Nase aktiviert“.
In ihrem Fazit formulieren die Forscher ihre Hoffnung, dass zukünftig Lavendelduft zur Beruhigung von Patienten vor einer Operation eingesetzt werden könnte oder Menschen mit Angststörungen oder innerer Unruhe eine niederschwellige Therapieoption angeboten werden kann - um damit den Einsatz von Benzodiazepinen zu reduzieren. Auch der Angstlöser Alkohol (unter stressgeplagten Patienten eine weit verbreitete Anwendung des populären Rauschmittels) könnte durch Lavendelaroma kompensiert werden.
Quellen: Harada, H. et al. (2018): Linalool Odor-Induced Anxiolytic Effects in Mice. Frontiers in Behavioral Neuroscience, online veröffentlicht 23.10. 2018; DOI: 10.3389/fnbeh.2018.00241
Erstellt am 3. Januar 2019
Zuletzt aktualisiert am 3. Januar 2019
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