Wetter

Ostersommer

von Holger Westermann

Frohe Ostern

Zwei Effekte bewirken heuer (in diesem Jahr) ein Osterfest mit Hochsommerwetter: Der Mond und „Katharina“. Der Einfluss des Mondes beschränkt sich dabei auf einen sehr späten Ostertermin. Zum anderen blockiert das Hochdruckgebiet „Katharina“ den Zug von Tiefdruckgebieten über Mitteleuropa hinweg und führt subtropisch warme Luft heran.

Auf dem katholisch-christlichen Konzil von Nicäa im Jahre 325 wurde festgelegt, das Osterfest am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling zu feiern, wobei (später) als Frühlingsbeginn der 21. März festgelegt wurde. Das war damals korrekt, inzwischen hat sich der Termin für die Tagundnachtgleiche jedoch dauerhaft auf den 20. März verschoben (seit 2012 bis 2048, dann taucht erstmals der 19. März als Frühlingsbeginn auf). Genau am 21. März war heuer Vollmond, der erste Vollmond „im Frühling“ ist daher diesmal der 19. April, Karfreitag. So liegt das Osterfest 2019 schon sehr nah am letztmöglichen Termin. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für höhere Lufttemperatur.

Das kräftige Hoch „Katharina" mit Schwerpunkt über Südskandinavien erstreckt sich vom Atlantik bis nach Osteuropa und bestimmt derzeit das Wetter in weiten Teilen Nord-, Mittel- und Osteuropas. Dabei liegen Deutschland und Österreich quasi im Zentrum des hohen Luftdrucks. Dort erwärmen sich absinkende Luftmassen (adiabatischer Effekt) und lösen jede Wolke, die sich durch verdunstendes Wasser bilden könnte, gleich wieder auf. Bestenfalls frühmorgens, wenn die Luft noch kühl ist, können sich sichtbare Wolken entwickeln. Doch bereits am späten Vormittag ist der Himmel - wie an einem Hochsommertag - wolkenlos blau.

Die Sonnenstrahlung entspricht der Intensität vom späten August, sie wärmt genau so und verursacht auch ebenso zuverlässig Sonnenbrand. Derzeit ist die Haut der meisten Menschen in Mitteleuropa noch sonnenentwöhnt blass und infolgedessen das Risiko für massive Hautschädigungen besonders hoch. Bei 11 bis 15 Stunden Sonnenschein gibt es reichlich Gelegenheit für unvernünftiges Verhalten ohne hinreichenden Hautschutz. Die gefühlte Temperatur erreicht bei leichtem Wind und hoher Strahlungsintensität bis 30°C. Das animiert zu knapper Sommerkleidung, die Körperstellen präsentiert, die in den letzten Monaten kein Sonnenstrahl traf. Besser wäre es, luftige Garderobe zu wählen, die verhüllt und Strahlungsschutz garantiert ohne unangenehm zu wärmen. So erspart man sich den Frust am zweiten, dritten, vierten Sonnentag im Haus bleiben zu müssen, weil die gerötete Haut schmerzt und sicherlich keine weitere Reizung verträgt.

Denn weitere Tage Ostersommer sind zu erwarten. Zwar verlagert sich „Katharina“ langsam ostwärts, doch damit gelangt Mitteleuropa an die Westflanke des Hochdruckgebiets (Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum). Mit einer südöstlichen Strömung wird noch einmal feuchtwarme subtropische Luft herangeführt. Es bilden sich Quellwolken mit geringer Schauerneigung und hohem Potential für Gewitter. Die Sonnenstrahlung wird dann geringer, der Thermometerwert sinkt, doch durch Schwüle wird die gefühlte Temperatur hoch bleiben. Erst wenn Wind aufkommt wird das Wetter wieder frischer.

Quellen:

Dipl.-Met. Simon Trippler: Gefährliche Ostereiersuche. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 18.04.2019

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Sommerfeeling im April - nun ein jährliches Phänomen? Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 19.04.2019

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri: Auf der Suche nach spannendem Osterwetter. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 20.04.2019

Erstellt am 21. April 2019
Zuletzt aktualisiert am 21. April 2019

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