Mikrobiom ist extrem sensibel gegenüber Meerwasser
Schwimmen beim Strandurlaub verändert die Haut
Die Haut des Menschen ist Lebensraum für unzähligen Mikroorganismen, vorrangig aus Bakterien und Pilzen. Welche Organismen sich dort wohl fühlen hängt ab von der Körperhygiene, der natürlichen Biochemie der Haut sowie der Umgebungsbedingungen. So geht extremer Körpergeruch auf die Stoffwechselaktivität des Bakteriums Corynebacterium jeikeium zurück, die sich in Schweiß optimal vermehren und dabei geruchsintensive Fettsäurerester produzieren. Andere Bakterien unterstützen die Immunabwehr als „erste Verteidigungslinie der Körpers“. Jetzt wurde untersucht, wie ein Bad im Meerwasser die Zusammensetzung der Hautflora verändert.
Mediziner und Biologen sprechen vom Mikrobiom der Haut, wenn sie dieses komplexe und dynamisch veränderliche Ökosystem der Mikroorganismen in seiner Gesamtheit meinen. Dessen Zusammensetzung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch, man kann von einem individuellen Mikrobiom sprechen. Dabei wirken sich die Reinigungsrituale, jeden Morgen duschen, erst abends duschen, einmal wöchentlich Baden, Katzenwäsche ebenso auf dieses Ökosystem aus, wie die soziale Vergesellschaftung mit einem Lebenspartner oder einem Haustier. Eine weite Bandbreite von Medikamenten - nicht nur Antibiotika - wirken selektiv, ebenso körperliche Aktivität und Schwankungen der Körpertemperatur oder die Ernährungsweise.
Wer fern von Küsten wohnt wird seine mikrobielle Begleitung nur selten einer Meerwasserumgebung aussetzen. Für das Mikrobiom bedeutet der lang anhaltende Kontakt zu Salzwasser ein radikaler Wechsel der Umweltbedingungen. Salzwasser entzieht durch den osmotischen Effekt den Mikroorganismen Wasser, so dass die Mehrzahl abstirbt. Schon zehn Minuten Schwimmen im Meer verändert sich das Hautmikrobiom grundlegend. Die üblicherweise vorherrschenden Mikroorganismen werden abgewaschen, an ihre Stelle heften sich winzige Meeresbewohner an. Die Forscher konstatieren: „Unsere Daten zeigen zum ersten Mal, dass Meereswasser die Zusammensetzung und Vielfalt des menschlichen Hautmikrobioms verändern kann“.
Ein Vergleich von Proben des Hautmikrobioms von neun geeigneten Freiwilligen (bislang nicht im Meer gewesen, keine Sonnencreme, keine Antibiotika während der letzten sechs Monate) genommen: einmal unmittelbar vor dem Salzwasserbad, zehn Minuten nach dem Bad (lediglich Lufttrocknung der Haut, kein frottieren), nach sechs Stunden, nach 24 Stunden.
Dabei war die Zusammensetzung des Hautmikrobioms vor dem Bad im Meer sehr individuell, jeder Mensch hatte seine spezielle Zusammensetzung. Direkt nach dem Schwimmen im Salzwasser waren die individuellen Unterschiede verschwunden - die Zusammensetzung hatte sich zudem grundlegend geändert. Dominierten zuvor Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken, waren danach Meeresbakterien wie Ulvibacter und Formosa zu finden. Diese Salzwasserspezialisten ließen sich sechs Stunden später immer noch nachweisen, erst am darauffolgenden Tag (nach 24 Stunden) waren sie wieder verschwunden.
Die Forscher empfehlen daher direkt nach einem Bad im Meer mit Süßwasser nachzuspülen. Damit lässt sich die Zeitspanne reduzieren, bis das Hautmikrobiom wieder weitgehend seine individuenspezifische Zusammensetzung hergestellt hat und seine Schutzfunktion wieder erfüllt. Die Forscher betonen, dass niemand vor einem Bad im Meer zurückschrecken solle: „Wir wissen, dass man sich über die Umgebung infizieren kann, der Ozean ist da keine Ausnahme. Ich würde deshalb eine Dusche nach dem Schwimmen empfehlen!“
Quellen: Nielsen, M.; Jiang, S. (2019): Alterations in the Human Skin Microbiome after Ocean Water Exposure. Vortrag am 23.06.2019 gehalten auf dem ASM Microbe 2019 in San Francisco (Kalifornien, USA), dem jährlichen Treffen der American Society for Microbiology.
Erstellt am 2. Juli 2019
Zuletzt aktualisiert am 2. Juli 2019
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