Mikrobiom ist extrem sensibel gegenüber Meerwasser

Schwimmen beim Strandurlaub verändert die Haut

von Holger Westermann

Die Haut des Menschen ist Lebensraum für unzähligen Mikroorganismen, vorrangig aus Bakterien und Pilzen. Welche Organismen sich dort wohl fühlen hängt ab von der Körperhygiene, der natürlichen Biochemie der Haut sowie der Umgebungsbedingungen. So geht extremer Körpergeruch auf die Stoffwechselaktivität des Bakteriums Corynebacterium jeikeium zurück, die sich in Schweiß optimal vermehren und dabei geruchsintensive Fettsäurerester produzieren. Andere Bakterien unterstützen die Immunabwehr als „erste Verteidigungslinie der Körpers“. Jetzt wurde untersucht, wie ein Bad im Meerwasser die Zusammensetzung der Hautflora verändert.

Mediziner und Biologen sprechen vom Mikrobiom der Haut, wenn sie dieses komplexe und dynamisch veränderliche Ökosystem der Mikroorganismen in seiner Gesamtheit meinen. Dessen Zusammensetzung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch, man kann von einem individuellen Mikrobiom sprechen. Dabei wirken sich die Reinigungsrituale, jeden Morgen duschen, erst abends duschen, einmal wöchentlich Baden, Katzenwäsche ebenso auf dieses Ökosystem aus, wie die soziale Vergesellschaftung mit einem Lebenspartner oder einem Haustier. Eine weite Bandbreite von Medikamenten - nicht nur Antibiotika - wirken selektiv, ebenso körperliche Aktivität und Schwankungen der Körpertemperatur oder die Ernährungsweise.

Wer fern von Küsten wohnt wird seine mikrobielle Begleitung nur selten einer Meerwasserumgebung aussetzen. Für das Mikrobiom bedeutet der lang anhaltende Kontakt zu Salzwasser ein radikaler Wechsel der Umweltbedingungen. Salzwasser entzieht durch den osmotischen Effekt den Mikroorganismen Wasser, so dass die Mehrzahl abstirbt. Schon zehn Minuten Schwimmen im Meer verändert sich das Hautmikrobiom grundlegend. Die üblicherweise vorherrschenden Mikroorganismen werden abgewaschen, an ihre Stelle heften sich winzige Meeresbewohner an. Die Forscher konstatieren: „Unsere Daten zeigen zum ersten Mal, dass Meereswasser die Zusammensetzung und Vielfalt des menschlichen Hautmikrobioms verändern kann“.

Ein Vergleich von Proben des Hautmikrobioms von neun geeigneten Freiwilligen (bislang nicht im Meer gewesen, keine Sonnencreme, keine Antibiotika während der letzten sechs Monate) genommen: einmal unmittelbar vor dem Salzwasserbad, zehn Minuten nach dem Bad (lediglich Lufttrocknung der Haut, kein frottieren), nach sechs Stunden, nach 24 Stunden.

Dabei war die Zusammensetzung des Hautmikrobioms vor dem Bad im Meer sehr individuell, jeder Mensch hatte seine spezielle Zusammensetzung. Direkt nach dem Schwimmen im Salzwasser waren die individuellen Unterschiede verschwunden - die Zusammensetzung hatte sich zudem grundlegend geändert. Dominierten zuvor Bakterien wie Staphylokokken und Streptokokken, waren danach Meeresbakterien wie Ulvibacter und Formosa zu finden. Diese Salzwasserspezialisten ließen sich sechs Stunden später immer noch nachweisen, erst am darauffolgenden Tag (nach 24 Stunden) waren sie wieder verschwunden.

Die Forscher empfehlen daher direkt nach einem Bad im Meer mit Süßwasser nachzuspülen. Damit lässt sich die Zeitspanne reduzieren, bis das Hautmikrobiom wieder weitgehend seine individuenspezifische Zusammensetzung hergestellt hat und seine Schutzfunktion wieder erfüllt. Die Forscher betonen, dass niemand vor einem Bad im Meer zurückschrecken solle: „Wir wissen, dass man sich über die Umgebung infizieren kann, der Ozean ist da keine Ausnahme. Ich würde deshalb eine Dusche nach dem Schwimmen empfehlen!“

Quellen:

Nielsen, M.; Jiang, S. (2019): Alterations in the Human Skin Microbiome after Ocean Water Exposure. Vortrag am 23.06.2019 gehalten auf dem ASM Microbe 2019 in San Francisco (Kalifornien, USA), dem jährlichen Treffen der American Society for Microbiology.

Erstellt am 2. Juli 2019
Zuletzt aktualisiert am 2. Juli 2019

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Herbstwetter zum Sommerausklang

Die letzte Woche Spätsommer fühlt sich bereits herbstlich an. Den Eindruck verstärkt der krasse Kontrast zu den jüngst vergangenen sonnig sommerlichen Tagen. Den Einzelhandel mag es freuen, dass die Menschen nun wieder wärmende Kleidung wünschen. Alle anderen werden sich rasch wieder nach Sonnenschein und Warmlufteinstrom sehnen. Eine berechtigte Hoffnung, doch zuvor ist fröstelnde Geduld gefordert. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Depressiv durch Heuschnupfen

Die Symptome stören und bieten den Mitmenschen in direkter Umgebung keine attraktive Gesellschaft: geschwollene Lider, rote tränende Augen, „laufende“ Nase und minutenlanges Niesen. Hinzu kommen die unsichtbaren Leiden wie Kratzen im Hals und Rachen sowie Schlafstörungen - die das Körpergefühl der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Jugendliche leiden besonders intensiv darunter, da sie sich aufgrund dieser Symptome der Pollenallergie von der Gemeinschaft Gleichalter ausgeschlossen fühlen. Unerwartet oft ist Depressivität die Folge. weiterlesen...


Admarker

Ratgeber von Menschenswetter Redakteur Holger Westermann für die Deutsche Fibromyalgie Vereinigung (DFV) e.V.

Ratgeber Fibromyalgie weiterlesen...


Herzinfarkt ist ein Privileg der Menschheit

Selbst Schimpansen im Zoo, die ein unnatürliches Alter erreichen und im Vergleich zu wildlebenden Artgenossen übergewichtig sind, kennen keine Arterienverkalkung und keinen klassischen Herzinfarkt. Menschen sind, abgesehen von eigens gezüchteten Labormäusen, die einzigen Säugetiere mit einem hohen Risiko für Arteriosklerose, Gefäßverschluß und Herztod. Ein entbehrliches Privileg, das sich jedoch aus gutem Grund in der Evolution der Menschen durchsetzen konnte. weiterlesen...


Anhaltende Hitze züchtet potentiell pathogenen Pilz

Die meisten Arten der Candida-Hefepilze sind unproblematisch, doch wenige können Krankheiten hervorrufen sowie durch andere Erkrankungen oder therapeutische Maßnahmen (beispielsweise Beatmung) geschwächte Patienten besiedeln. Dazu müssen die Pilze im Körper bei rund 37°C überleben und wachsen können - das gelingt seit einigen Jahren auch aggressiven Formen. weiterlesen...