Jugendliche leiden unter den sozialen Folgen der saisonalen Erkrankung
Depressiv durch Heuschnupfen
Die Symptome stören und bieten den Mitmenschen in direkter Umgebung keine attraktive Gesellschaft: geschwollene Lider, rote tränende Augen, „laufende“ Nase und minutenlanges Niesen. Hinzu kommen die unsichtbaren Leiden wie Kratzen im Hals und Rachen sowie Schlafstörungen - die das Körpergefühl der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Jugendliche leiden besonders intensiv darunter, da sie sich aufgrund dieser Symptome der Pollenallergie von der Gemeinschaft Gleichalter ausgeschlossen fühlen. Unerwartet oft ist Depressivität die Folge.
Heuschnupfen ist eine weltweit verbreitete Plage. Bei ungünstigem chronifiziertem Verlauf kann sich Asthma entwickeln oder es breiten sich unansehnliche Hautveränderungen aus. Die Schlafqualität leidet und damit auch allgemeine Konzentrationsfähigkeit (nicht nur während und unmittelbar nach einer Niesattacke), die soziale Empfindlichkeit und Gereiztheit wächst und die Begeisterung für zwischenmenschliche Nähe schwindet.
Während sich die Mehrzahl der Mitmenschen über einen sonnigen trockenen Sommer freuen, bedeutet diese Wetterlage für Menschen mit Heuschnupfen eine intensive Leidenszeit. Viele Geplagte ziehen sich bei geschlossenen Fenstern in die Wohnungen zurück und ziehen die Vorhänge zu, da grelles Licht die Augen zusätzlich reizt und Kopfschmerzen provoziert. Draussen genießen „alle ausser mir“ den Sommer.
Nun haben Forscher aus Taiwan in einer Metastudie (Auswertung wissenschaftlicher Studien zu diesem Thema) die emotionale und psychische Belastung von Jugendlichen mit Hypersensiblität gegenüber Pollenproteinen untersucht. Bekannt ist, dass viele junge Betroffene über Depressivität klagen - verwunderlich ist das nicht:
- Die emotionale Belastung ist hoch, denn die erzwungene Isolation bedeutet einen fundamentalen Kontrollverlust über die eigene Position im sozialen Umfeld. „Wer macht gerade was mit wem? Und ich bin nicht dabei!“
- Aggressivität zeigten die Jugendlichen, denn während der Heuschnupfenepisoden verstärkte sich Unsicherheit und Impulsivität der Pubertierenden
- Schlafstörungen erschweren die körperliche und geistige Regeneration. Die Aufgaben am kommenden Tag überfordern und können zu Stress führen, der dann nicht bewältigt werden kann.
So kann Heuschnupfen Depressivität hervorrufen und bei Veranlagung zu Depression eine Krise provozieren. Diese Befunde gelten sicherlich auch für Erwachsene. Doch sind hier die Möglichkeiten zu Kompensations- und Vermeidungsverhalten größer. Insofern liefert die Fokussierung auf Jugendliche Ergebnisse, frei von Störeinflüssen solcher Verhaltensanpassungen. Auf der anderen Seite lässt sich bei Erwachsenen mit Heuschnupfen beobachten, was auch jungen Menschen helfen könnte, die Risiken für Depressivität bei Heuschnupfen zu reduzieren.
So lässt sich die Schlafqualität durch ein Gerät zur Luftwäsche (entfernt die Pollen) verbessern. Frühmorgens sind durch Taubildung weniger Pollen und die allergieauslösenden Pollenproteine in der Luft. Nachts werden von den Pflanzen kaum Pollen abgegeben, der Nachschub ist unterbrochen. Derweil denaturieren die Proteine aus den Pollen vom Vortag in der taufeuchten Luft. Ein ökologisch nicht optimaler, für die Gesundheit von Menschen mit Heuschnupfen aber hilfreicher Tipp: Meiden Sie ÖPNV und nutzen Sie ihr privates Auto - sofern es eine moderne Klimaanlage hat. Dort werden die Pollen und Pollenproteine herausgefiltert, in Bus und Straßenbahn wirbeln sie herum. Medikamente (Antihistaminika) sollten rechtzeitig und während der kritischen Pollenperiode auch regelmäßig eingenommen werden. Eigenmächtiges Absetzten verstärkt die Symptome nur. Im Bedarfsfall kann auch Kortison eingesetzt werden. Beim Einsatz der Medikamente sollte mit Blick auf das Ergebnis der hier zitierten Studie berücksichtigt werden, dass sie nicht nur dazu dienen kurzfristig die lästigen Symptome des Heuschnupfens einzuschränken, sondern auch langfristig das Risiko für Depressivität oder eine depressive Krise (und damit den Einsatz von Antidepressiva) zu reduzieren.
Quellen: Blaiss, M.S. et al. (2018): The burden of allergic rhinitis and allergic rhinoconjunctivitis on adolescents: A literature review. Annals of Allergy, Asthma & Immunology 121 (1): 43 - 52.e3. DOI: 10.1016/j.anai.2018.03.028.
Erstellt am 1. August 2019
Zuletzt aktualisiert am 1. August 2019
Unterstützen Sie Menschenswetter!
Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.
Hitze und Gesundheit
Wechselhaft, kühl und vielerorts windig präsentierte sich bislang der Juni 2026. Doch nun wechselt der Sommer zu Schwüle und Hitze. Für wetterempfindliche Menschen ist nicht gefühlte Temperatur an sich, sondern vorrangig die ungewöhnliche Dynamik der Veränderung ein großes Gesundheitsrisiko. weiterlesen...

Das Projekt Menschenswetter
Routiniert erfolgreich gegen Stress, Schmerz und Depression
Jeden Tag - auch am Wochenende - zur gleichen Zeit aufstehen, essen und schlafen, das erscheint eintönig und wenig spontan. Eine aktuelle Befragungsstudie zeigt jedoch dass eine feste Tagesroutine der Gesundheit zugutekommen. Menschen mit einem geregelten Tagesablauf berichten von einer geringeren Belastung durch Schmerzen und Depressivität als Menschen ohne solche selbstgewählte Regelmäßigkeit. weiterlesen...
Temperatur triggert den Herztod
Bei Klima und Wetter ist nicht Hitze sondern Kälte der wirkmächtigste Risikofaktor für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine aktuelle Studie an erwachsenen US-Amerikanern bestätigt weltweit erhobene Daten. weiterlesen...
Patienten-Arzt-Gespräch
Heutzutage ist es aus vielen Gründen für jüngst Erkrankte einfacher zum Computer zu gehen als zum Arzt. Erst einmal im Internet nachsehen, was die Symptome bedeuten, welche Krankheit die Gesundheit angegriffen hat. Doch sitzt man dann im Sprechzimmer, will der Arzt davon gar nichts wissen - warum eigentlich nicht? weiterlesen...
Wer als Senior noch Sex hat, bleibt klarer im Kopf
Alt ist relativ und beim aktiven Sexualleben ist neben der Regelmäßigkeit auch die subjektive Qualität relevant, damit der sinnlich motivierte Körper einen frischen Geist belebt. weiterlesen...