Wetter

Herbstwetter zum Sommerausklang

von Holger Westermann

Die letzte Woche Spätsommer fühlt sich bereits herbstlich an. Den Eindruck verstärkt der krasse Kontrast zu den jüngst vergangenen sonnig sommerlichen Tagen. Den Einzelhandel mag es freuen, dass die Menschen nun wieder wärmende Kleidung wünschen. Alle anderen werden sich rasch wieder nach Sonnenschein und Warmlufteinstrom sehnen. Eine berechtigte Hoffnung, doch zuvor ist fröstelnde Geduld gefordert.

Der astronomische Herbst beginnt heuer (in diesem Jahr) am Montag, 23. September. Schon eine Woche zuvor wechselt das Wetter. Die Tagesminima fallen flächendeckend auf 11 bis 4°C, örtlich auch tiefer und in den frühen Morgenstunden kann sich Bodenfrost bilden, der bis in den Vormittag anhält. Gebietsweise bildet sich dichter Nebel. An den Bäumen beginnt nun sichtbar die Herbstfärbung. Im Norden und Osten komplettiert stark böiger und stürmisch auffrischender Wind, begleitet von dichter Bewölkung und Schauern das herbstliche Panorama. Die Tagesmaxima erreichen noch 13 bis 19°C.

Den Reigen der Tiefdruckgebiete (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum), die vom Atlantik her von Nordwesten nach Südosten über Mitteleuropa hinweg ziehen eröffnet „Ignaz“. In Kooperation mit den Hochdruckgebiet (Luftströmung im Uhrzeigersinn) „Gaia I“ bei Irland bildet sich eine solide Nordwestströmung, die Polarluft nach Mitteleuropa transportiert. Da allerdings die Nordsee mit 18°C noch recht warm ist, erwärmt sich die darüber hinweg streifende Kaltluft und nimmt dabei Feuchtigkeit auf. Eine zuverlässige Quelle für ergiebigen Regen landeinwärts.

Ein Charakteristikum für Herbstwetter ist auch den sich weitende Tagesgang der Lufttemperatur. Während tagsüber im Sonnenschein die Höchstwerte der gefühlten Temperatur noch angenehme Werte zwischen 15 und 25°C erreichen, werden nachts und besonders am frühen Morgen nur noch einstellige Werte gemessen. Zum astronomischen Herbstbeginn währen Nacht und lichter Tag genau 12 Stunden (zu Sommerbeginn am 21. Juni waren es hierzulande 16,5 Stunden). Doch im Vergleich zum Hochsommer steht die Sonne zur Mittagszeit nicht mehr so hoch am Himmel. Selbst bei vergleichbarer Sonnenscheindauer erreicht viel weniger Strahlungswärme den Boden.

Zudem reduziert Nebel die wärmende Wirkung des Sonnenscheins. An manchen Tagen vergeht der gesamte Vormittag, bis die grauen Wassertröpfchenbarrieren zu lichtdurchlässigem Dampf gelöst werden. Der herbsttypische Strahlungsnebel entsteht durch Abkühlung des Bodens während sternklarer Nächte. Bei klarem Himmel strahlt viel Wärme vom Boden ins Weltall ab. Je länger die Nacht währt, um so länger und effektiver erfolgt diese Abkühlung. Infolgedessen (wird auch die unmittelbar darüberliegende Luftschicht heruntergekühlt. Wird dabei der Taupunkt (Tragfähigkeit der Menge Wasserdampf in der Luft) unterschritten, bilden sich an Staubkörnchen (Kondensationskerne) feine Wassertröpfchen. In ihrer Gesamtheit erscheinen diese schwebenden Tautröpfchen als Nebel. Ist die Abkühlung von Boden so effektiv, dass die 0°C-Grenze unterschritten wird, wandelt sich der Tau zu Reif - auf den Straßen kann es glatt werden.

Erst wenn die Sonne am Himmel höher steigt und die Luft erwärmt, schwinden die Wassertröpfchen indem sie sich wieder zu Wasserdampf wandeln. Der Nebel löst sich auf - und zwar von oben nach unten, von der Wärmequelle in Richtung des weiterhin kühlen Bodens. Für Menschen mit Atemwegsproblemen sind Nebellagen ein Alarmsignal. Einerseits bildet sich Nebel erst, wenn Kondensationskerne in der Luft vorhanden sind, sie zeigen also eine bereits vorhandene Feinstaubbelastung an. Andererseits können sich in den Wassertröpfchen des Nebels weitere Reizstoffe lösen und damit in der Schwebe bleiben - und dann eingeatmet werden. Je länger eine Nebellage anhält und je größer der Eintrag von Luftschadstoffen ausfällt, um so größer wird dieser negative Effekt. Glücklicherweise sind Innenstadtlagen weniger häufig von Nebel betroffen als ländliche Regionen, denn in der Stadt ist es zumeist ein paar Grad wärmer als in deren Umgebung.

Glück können die Menschen hierzulande auch mit dem Wetter ab Herbstbeginn haben. Nach einer spätsommerlichen Herbstwetterepisode beruhigt sich die Lage. Bei aller Unsicherheit einer so weit vorausschauenden Prognose scheint zum Start in die neue Jahreszeit wieder die Sonne und wohlige Wärme über 20°C läßt auf einen „goldenen“ Herbstbeginn hoffen.

Quellen:

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel: Herbstlicher Wettercharakter zur neuen Woche. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 15.09.2019

Erstellt am 15. September 2019
Zuletzt aktualisiert am 17. September 2019

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Elektrisierende Vorweihnachtszeit

Allerorten erstrahlt nun wieder die elektrische Weihnachtsbeleuchtung der Einkaufsstraßen, mancher hat schon Wohnung, Haus und Garten festlich illuminiert - doch das ist kein Thema für Menschenswetter. Doch die aktuelle Kälte wirkt nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch überraschend elektrisierend. Denn in kalter Luft steigt die Chance einen harmlosen aber erschreckenden elektrischen Schlag zu bekommen. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Für den positiven Effekt genügt schon eine Trainingseinheit

Sport strafft den Körper, verlängert die Ausdauer, erfrischt den Geist und befreit das Gemüt. Der dazu notwendige Aufwand wird von vielen Menschen überschätzt. In einer kleinen experimentellen Studie mit betagten Bewegungsmuffeln bewirkte schon moderates aber regelmäßiges Engagement eine deutliche Verbesserung. weiterlesen...


Depressiv durch Heuschnupfen

Die Symptome stören und bieten den Mitmenschen in direkter Umgebung keine attraktive Gesellschaft: geschwollene Lider, rote tränende Augen, „laufende“ Nase und minutenlanges Niesen. Hinzu kommen die unsichtbaren Leiden wie Kratzen im Hals und Rachen sowie Schlafstörungen - die das Körpergefühl der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Jugendliche leiden besonders intensiv darunter, da sie sich aufgrund dieser Symptome der Pollenallergie von der Gemeinschaft Gleichalter ausgeschlossen fühlen. Unerwartet oft ist Depressivität die Folge. weiterlesen...


Herzinfarkt ist ein Privileg der Menschheit

Selbst Schimpansen im Zoo, die ein unnatürliches Alter erreichen und im Vergleich zu wildlebenden Artgenossen übergewichtig sind, kennen keine Arterienverkalkung und keinen klassischen Herzinfarkt. Menschen sind, abgesehen von eigens gezüchteten Labormäusen, die einzigen Säugetiere mit einem hohen Risiko für Arteriosklerose, Gefäßverschluß und Herztod. Ein entbehrliches Privileg, das sich jedoch aus gutem Grund in der Evolution der Menschen durchsetzen konnte. weiterlesen...


Anhaltende Hitze züchtet potentiell pathogenen Pilz

Die meisten Arten der Candida-Hefepilze sind unproblematisch, doch wenige können Krankheiten hervorrufen sowie durch andere Erkrankungen oder therapeutische Maßnahmen (beispielsweise Beatmung) geschwächte Patienten besiedeln. Dazu müssen die Pilze im Körper bei rund 37°C überleben und wachsen können - das gelingt seit einigen Jahren auch aggressiven Formen. weiterlesen...