Geduld schützt vor allergischem Asthma
Heuschnupfen durch Frühlingsregen
Bei Hitze schweben Pollen lange in der Luft und verbreiten sich sehr weit. Dabei erreichen sie zuverlässig in hoher Konzentration die Nase der Allergiker und reizen die Atemwege. Erst ausgiebiger Regen reduziert die Reizung und schafft nachhaltig Linderung - dachte man bislang. Doch Messungen zeigten, dass Frühlingsregen die Belastung für Allergiker und Asthmatiker sogar verstärken kann.
Regen reinigt die Luft, wäscht Staub und Pollen heraus und entlastet somit alle Menschen mit Atemwegserkrankungen - die Annahme ist so logisch, so plausibel und so falsch. Denn nicht die Pollen selbst provozieren die allergische Reaktion, sondern Eiweißstoffe (Allergene) aus dem Innern der Pollen oder Bruchstücke der Pollenhülle. So ist bereits seit längerem bekannt, dass rasch ansteigende Luftfeuchte bei Schwüle und Gewitter die Pollen aufquellen lassen und zum platzen bringen (s. Menschenswetter Artikel von 2013 und 2016). Deshalb sollten pollensensible Menschen erst eine halbe Stunde nach dem Gewitterschauer wieder lüften. Wahrscheinlich war diese Pollenpause zu kurz bemessen.
Forscher der University of Iowa (in Iowa City, im Bundesstaat Iowa, USA) stellten fest, dass im Frühling, wenn viel Blütenstaub in der Luft schwebt ein Regenguß zwar die Konzentration der Pollen reduziert, nicht aber die Konzentration der Allergene und Pollenbruchstücke - deren Menge nimmt deutlich zu. Hier wirkt der selbe Effekt, der bereits bei Schwüle und Starkregen bei Gewitter bekannt ist. Doch diesmal blieb nach einem „normalen“ Regen eine erhebliche Menge der natürlichen Reizstoffe für 2,5 bis 11 Stunden in der Atemluft. Je stärker (intensiver) der Regen war, um so länger währte die Belastung. Die größte Konzentration von Pollenbruchstücken wurde während eines Sturms gemessen. Mechanische Reibung am Boden und intensive Verwirbelung zerbricht die Pollen und erhöht die Konzentration allergieauslösender Fragmente.
Die Forscher empfehlen: „Menschen, die empfindlich auf Pollen reagieren, sollten es vermeiden, bei Regen, insbesondere Gewittern, und für einige Stunden danach ins Freie zu gehen.“ So würden selbst große Birkenpollen oder deren Bruchstücke mit den Aufwinden in der Landschaft eingesammelt und in einer Gewitterwolke nach oben geschleudert von wo sie dann beim Regenschauer oder mit den Fallböen in hoher Konzentration zu Boden stürzen.
Quellen: Westermann, H. (2013): Allergische Atemnot nach kühlendem Sommerregen. Menschenswetter Artikel 747, online veröffentlicht 20.7. 2013. Westermann, H. (2016): Wetterempfindlichkeit bei Asthma. Menschenswetter Artikel 1394, online veröffentlicht 13.6. 2016. Hughes, D.D. et al. (2020): Characterization of Atmospheric Pollen Fragments during Springtime Thunderstorms. Environmental Science and Technology Letters, online veröffentlicht 6.5. 2020. DOI: 10.1021/acs.estlett.0c00213.
Erstellt am 26. Mai 2020
Zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2020
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