Nachhaltig positive Wirkung auf die Lebenseinstellung

Dankbarkeit verbessert auch das eigene Wohlbefinden

von Holger Westermann

Weniger Stress, innere Ruhe und Achtsamkeit verbessern das psychische Wohlbefinden. Dabei wird oft übersehen, dass es nicht genügt, sich frei von Zumutungen, Drangsal und Leid zu fühlen. Für Menschen sind Zuversicht und verlässliche soziale Bindungen wichtige Wohlfühlfaktoren. Wer positive Erlebnisse erkennt, senkt den Stress. Eine erfolgversprechende Strategie ist es, Dankbarkeit zu üben.

Wer sich auch für die kleinen Erfreulichkeiten des Lebens dankbar zeigt, fühlt sich weniger gestresst und zeigt eine geringere Neigung zur Depressivität. So lässt sich das Ergebnis der Studie eines niederländischen Forscherteams zusammenfassen. Dazu wurden an der Universität Twente (Enschede, Niederlande) 217 Menschen mit leichten psychischen Problemen in einem Experiment untersucht. Die Forscher bildeten drei ähnlich große und vergleichbar zusammengesetzte Gruppen: Eine absolvierte sechs Wochen lange täglich eine Dankbarkeits-Übung, indem sie anderen gegenüber ihre Dankbarkeit ausdrückten, sich für die vielen kleinen schönen Erlebnisse im Alltag dankbar zeigten, entgegengebrachte Dankbarkeit wert schätzten, sich selbst gegenüber für Geleistetes dankbar zu sein. Eine zweite gönnte sich einmal pro Woche selbst etwas Gutes „außer der Reihe“, die dritte diente als Kontrollgruppe und veränderte nichts am ihrem gewohnten Ablauf.

Nach sechs Monaten (Kontrollmessung nach Ende der sechs Experimentwochen) hatte sich bei rund einem Drittel der Menschen aus der Dankbarkeitsgruppe das psychische Wohlbefinden deutlich (subjektive Bewertung auf einer Punkteskala) verbessert. Damit war die Erfolgsquote rund doppelt so hoch wie bei den Teilnehmern der beiden Vergleichsgruppen (knapp ein Sechstel und knapp ein Fünftel).

"Dankbarkeitstraining ist kein Trick, um schnell glücklich zu werden, (aber) es entwickelt eine neue Lebenseinstellung.“ warnen die Forscher in ihrem Fazit vor der Hoffnung auf eine schnell wirksame Psychotechnik zur Verbesserung der Lebensqualität. Doch langfristig sei für viele Menschen eine nachhaltige Steigerung des psychischen Wohlbefindens zu erwarten. „Das Leben wird weniger selbstverständlich, und das macht die Menschen flexibler. Es geht nicht darum, negative Erfahrungen zu ignorieren, sondern Schwierigkeiten und psychische Belastungen anzuerkennen und gleichzeitig die guten Dinge im Leben zu schätzen. Das ist in der Tat die Essenz psychologischer Belastbarkeit."

Quellen:

Bohlmeijer, E.T. et al. (2020): Promoting Gratitude as a Resource for Sustainable Mental Health: Results of a 3-Armed Randomized Controlled Trial up to 6 Months Follow-up. Journal of Happiness Studies, online veröffentlicht 7.5. 2020. DOI 10.1007/s10902-020-00261-5

Erstellt am 6. Juni 2020
Zuletzt aktualisiert am 6. Juni 2020

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Schwüle schwächt den Kreislauf

In den kommenden Tagen schwappt die erst Hitzewelle des Jahres über Mitteleuropa. Sehr heiße und feuchte Luft strömt von der Sahara über das Mittelmeer heran - und wird von den regennassen Böden hierzulande mit weiterem Wasserdampf angereichert. Für viele Menschen ist der rasche Temperaturanstieg und die zunehmende Schwüle eine ernstzunehmende Gesundheitsbelastung. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Heuschnupfen durch Frühlingsregen

Bei Hitze schweben Pollen lange in der Luft und verbreiten sich sehr weit. Dabei erreichen sie zuverlässig in hoher Konzentration die Nase der Allergiker und reizen die Atemwege. Erst ausgiebiger Regen reduziert die Reizung und schafft nachhaltig Linderung - dachte man bislang. Doch Messungen zeigten, dass Frühlingsregen die Belastung für Allergiker und Asthmatiker sogar verstärken kann. weiterlesen...


Schaumbad ist gut für die Gesundheit

In Japan gilt das Bad in den natürlichen oder geschaffenen Bassins heißer Quellen (Onsen) nicht allein der Körperhygiene, sondern ist ritualisierte Tradition, die Körper und Geist verwöhnt. Ein japanisches Forscherteam untersuchte nun die Wirkung sehr warmer Bäder auf die Gesundheit von Herz und Kreislauf. weiterlesen...


Corona-Kompetenz: Körpertemperatur korrekt bewerten

Fiebermessen ist eine Alltagsfertigkeit. Moderne Geräte mit Displayanzeigen erleichtern das präzise Anlesen auf die erste Dezimalstelle genau. Traditionalisten bevorzugen die analoge Technik, weil sie auch ohne Batterien funktioniert. Dafür nehmen sie einen Messfehler von 0,1°C in Kauf. Einigkeit besteht jedoch darin, dass eine Körpertemperatur von 37°C den Normalwert markiert. Doch diese Regel ist nicht mehr up-to-date. weiterlesen...


Corona-Quarantäne schützt vor geschlechtertypischen Krebserkrankungen

Spaziergänge sind derzeit nur in raschem Schritt erlaubt - wenn sie nicht dem Naturerlebnis dienen, sondern als Sport gelten können. Da ist man schnell ausser Puste und die Verweildauer im Licht der Frühlingssonne bedeutet noch kein Gesundheitsrisiko. Eine erheblich höheres, bislang oft zu unrecht wenig beachtetes Risiko für Krebserkrankungen bringt dagegen das Schlendern durch die nächtlichen Straßen mit sich: das starke Kunstlicht moderner LED-Straßenlampen. Glücklicherweise ist das jetzt verboten. weiterlesen...