Wetter

Schwüle vertreibt die Nieselkälte

von Holger Westermann

Derzeit frösteln hierzulande viele Menschen bei Nieselregen, Wind und geringer Lufttemperatur. Gelenke und Muskulatur schmerzen, der Blick aus dem Fenster stimmt trübsinnig. Kaum vorstellbar, dass dies der Auftakt zu schwülwarmer Hitze mit Konzentrationsproblemen, Kreislaufschwäche und Schwindelgefühl sein soll - doch genau so wird es kommen.

 

"High over low" nennen Meteorologen eine Großwetterlage, wenn sich über Skandinavien ein Hochdruckgebiet etabliert, während sich über Süd-/Südwesteuropa eher tiefer Luftdruck ausbreitet. Dann sind die Luftdruckgegensätze über Mitteleuropa nur schwach ausgeprägt. So wird zum Druckausgleich nur wenig Luft bewegt, es bleibt weitgehend windstill. Meteorologen sprechen von einer „Sumpflage“, wenn feuchte Luftmasssen ortsfest liegen bleiben und sich deshalb darin entwickelnde Gewitter wie Wassersammler gebärden. Die aufsteigenden Gewitterwolken saugen die feuchte Luft der Umgebung an und heben sie in hohe kühlere Atmosphäreschichten, wo sie zu Regentropfen kondensieren. Da die Gewitter kaum voran ziehen, ergießt sich die gesamte Wassermenge auf ein vergleichsweise kleines Gebiet. Werden schmale Täler getroffen, sind Überschwemmungen möglich.

Auslöser für die Gewitterlage ist der Zustrom heißer Luft aus Südosten (diesmal nicht wie hierzulande üblich aus Südwest), so daß Österreich und Bayern die Wetterwechsel zuerst erleben. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien nimmt dies zum Anlass (oder ist es nur ein glücklich passendes Zusammentreffen?) über die Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Gewittern zu informieren. Vorerst bleibt es stark bewölkt und es fallen lediglich ein paar Tropfen Regen vom Himmel oder es nieselt. Bei 15 bis 20°C empfindet man das Wetter allerdings als sehr kühl.

Zum Freitag springt die Temperatur über 25°C, mancherorts werden knapp 30°C erreicht. Nun wirkt die hohe Luftfeuchte nicht mehr kühlend sondern schwül und drückend warm. Lediglich in Norddeutschland bleibt es bei aufklarendem Himmel mit 19 bis 24°C angenehm warm ohne schweißtreibend zu werden. Am Wochenende werden sich in der zunehmend schwülen Luft vereinzelt langsam ziehende Gewitter bilden, die eng umgrenzte Gebiete mit Starkregen fluten. Wo und wie heftig diese Ereignisse auftreten, lässt sich leider nicht prognostizieren.

Für wetterempfindliche Menschen ist der drastische Wetterwechsel eine enorme Gesundheitsbelastung. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten körperliche Anstrengungen vermeiden und müssen mit Schwindelanfällen rechnen. Aber auch Menschen, die sich für wetterunempfindlich halten, werden Konzentrationsprobleme und Motivationskrisen erleben.

Quellen:

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann: Schwülwarmes und gewittriges Wochenende. FrThema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 10.06.2020

 

Erstellt am 10. Juni 2020
Zuletzt aktualisiert am 10. Juni 2020

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Markanter Temperaturrückgang beendet das kurze Hochsommerintermezzo

Andernorts in Europa plagt anhaltende Hitze Menschen und Natur; hierzulande bleibt der Sommer kühl und regnerisch. Lediglich im Großraum Wien und südlich der Alpen konnte man sich heuer (in diesem Jahr) über einen längeren Zeitraum an typischem Sommerwetter freuen. Ansonsten blieb für Mitteleuropäer das Sommergefühl ein immer wiederkehrendes aber stets nur kurzzeitiges Vergnügen. weiterlesen...


Weniger Streß durch Nikotinverzicht

Wenn Raucher zur Zigarette greifen, bemühen sie oft das Argument, akuten Stress zu lindern. Sie erhoffen sich kurzfristig spürbare und langfristig wirksame Unterstützung bei der Bewältigung psychischer Belastungen. Doch die regelmäßige Intoxikation mit Nikotin verstärkt die Probleme; erst Abstinenz lässt sie (ver)schwinden.

  weiterlesen...


Produktive Müdigkeit im Home Office

Angestellte, die während der Corona-Pandemie von zu Hause aus arbeiten, schlafen länger und arbeiten effektiver. Diese Effizienz- und Leistungssteigerung gelingt nicht jedem, aber betrachtet man die Menschen im Home-Office insgesamt, bleibt das Ergebnis positiv. weiterlesen...


Placebos wirken auch wenn man es weiß

Auch wenn Patienten wissen, dass die eingenommenen Medikamente keinen pharmakologischen Wirkstoff enthalten, spüren sie eine Linderung ihrer Symptome. Das ergab eine Übersichtsarbeit in der die Ergebnisse von 13 klinische Studien mit insgesamt 834 Patienten zusammengefasst wurden. weiterlesen...


Kommunizierter Placeboeffekt

Wenn ein Medikament ohne Wirkstoff positiv auf das Wohlbefinden wirkt, widerspricht das der naturwissenschaftlichen Erwartung. Gut belegt ist, dass dieser Placeboeffekt von der Hoffnung des Patienten getragen wird. Aber offensichtlich ist auch die Überzeugung des Arztes ein wichtiger Faktor beim Placeboeffekt. weiterlesen...


Überschätzte Schlaflosigkeit

Morgens übermüdet im Bett liegen mit der Gewissheit „Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan“. Dieses Gefühl plagt viele Menschen mit quälender Regelmäßigkeit. Doch zumeist trügt das Empfinden. Die tatsächliche Schlafdauer war in den meisten Fällen kaum kürzer als während einer als erholsam empfundenen Nachtruhe. weiterlesen...