Wetter

Hochsommerlicher Wetterwechsel

von Holger Westermann

Abendewolken

Der Hochsommer präsentiert sich heuer (in diesem Jahr) als Reigen von anhaltenden Hochdrucklagen mit trockener Hitze, die abgelöst werden von atlantischen Tiefdruckgebieten die feuchtheiße Subtropikluft nach Mitteleuropa lenken bevor heftige Gewitter den Einbruch erfrischender Kaltluft ankündigen.

Zur Erinnerung: Der Höhepunkt der zurückliegenden Hitzewelle wurde am 09.08.2020 erreicht. Die Station Trier-Petrisberg (Rheinland-Pfalz) meldete 38,6°C, vielerorts wurden über 35°C gemessen. Im Vergleich zu den Sommern der letzten Jahre mit Maximalwerten über 40°C mag das mäßig normal wirken, doch im langjährigen Vergleich sind das für Mitteleuropa beachtlich hohe Werte. Anschließend flossen mit schwachem Tiefdruckeinfluss feuchtere Luftmassen heran und hoben die feuchtheiße Luft in höhere und damit kühlere Atmosphäreschichten. Dort kondensiert die Luftfeuchte zu feinen Tröpfchen - es bilden sich Wolken. Bei sehr heißer sehr feuchter Luft, die drastisch abgekühlt wird, ist dieser Effekt besonders stark und es einsteht eine Eigendynamik der Aufwärtsbewegung. Es bilden sich entlang der Front einfließender Kaltluft energiegeladene, mächtige, hoch aufragende Wolken, die riesige Wassermengen in Form feiner Tröpfchen transportieren: Gewitterwolken. Die Wolkenfront zieht als breites Band zumeist von Nordwesten nach Südosten über Mitteleuropa hinweg. Wo genau sich daraus einzelne Gewitter entladen und ihre enormen Regenmengen ergießen lässt sich nicht genau vorhersagen - auch wenn durch die Topographie der Landschaft Regionen mit größerer und kleiner Wahrscheinlichkeit bekannt sind.

Nach dem Durchzug der Tiefdruckgebiete gen Osten setzte sich wieder Hochdruckeinfluß durch. Aktuell das Hoch „Frederik“, das vorübergehend neue Hitzewerte garantierte. Doch auch diesmal lauert über dem Atlantik ein neues, diesmal sogar besonders kräftiges Tiefdruckgebiet, „Jantra“. Dagegen konnte sich Hoch „Frederik“ nich lange behaupten und wurde von „Jantar“ beiseite geschoben. Mit einer Winddrehung auf Südwest setzte der Zustrom zunehmend heiße Subtropikluft ein, der die Lufttemperatur von Tag zu Tag ansteigen läßt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (20. - 21.8.) sinkt das Thermometer vielerorts nicht unter 20°C, Meteorologen sprechen von einer Tropennacht. Auch gesunde Menschen spüren danach morgens anhaltende Müdigkeit aufgrund der schlechten Schlafqualität bei einer so hohen Nachttemperatur. Für Menschen, die unter anhaltenden Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder der Atemwege leiden, sind die die Belastungen besonders intensiv spürbar. Denn bei mehrtägiger Wärmebelastung ohne nächtliche Erfrischung steigt auch die Konzentration von Feinstaub, Ozon und Stickoxyden (NOx).

Das Hitzemaximum wird für den Freitag erwartet, wenn sich das Tief „Jantar“ westlich von Irland festsetzt und mit seiner Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum nochmals einen Schub heißerer Luft von der Iberischen Halbinsel nach Mitteleuropa transportiert. Es werden Höchstwerten von 30 bis 36°C erwartet. Danach naht von Nordwesten die Kaltfront des Tiefs mit Wolken und - je wärmer die Luft zuvor war - mit zunehmender Wahrscheinlichkeit auch Gewittern. In der Nacht zum Samstag arbeitet sich die markante Kaltfront mit schauerartigem, gewittrigem Regen südostwärts voran und erreicht am Samstagmorgen etwa eine Linie Pfälzer Wald - Uckermark. Die Temperatur geht auf 19 bis 14°C zurück. Entlang des Oberrheins und in der Lausitz, in Tirol und in Wien steht voraussichtlich nochmal eine Tropennacht bevor.

Am Samstag wird die Heißluft durch die vorrückende Kaltfront mehr und mehr verdrängt. Die Vorderkante der Kaltfront markieren Schauer und Gewitter, die sich weiter südostwärts ausbreiten und mit teils großen Regenmengen, Hagel und Sturmböen heftig ausfallen können. Auf der Rückseite der Kaltfront lockert die Bewölkung wieder auf. Auch Sonnenscheinepisoden sind wieder möglich, aber auch Scheuer und einzelne Nachzüglergewitter. Ist die Kaltfront abgezogen stellt sich moderates Sommerwetter ein. Die Temperatur pendelt sich ein zwischen 20 und 25°C. Dabei bleibt es wechselnd bewölkt und es gibt noch einzelne Schauer und auch kurze Gewitter. Mit einer Neuauflage des Hochsommerwetterzkylus Wärme durch Hochdruckgebiet - Hitze durch Warmfront einer Tiefs mit Saharaluftsüdwestwind - Gewitter mit anschließender Abkühlung durch Kaltfront des Tiefs ist vorerst nicht zu rechnen. Dafür mangelt es derzeit an einem hinreichend vielversprechenden Hochdruck-Kandidaten.

Quellen:

MSc.-Met. Sebastian Altnau: Erneut Hitze. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 19.08.2020

Erstellt am 21. August 2020
Zuletzt aktualisiert am 26. August 2020

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