Wetter

Temperatursturz vom Spätsommer in den Frühwinter

von Holger Westermann

Schafe

Derzeit erfreuen sich die Menschen in Mitteleuropa an Sonnenschein und sommerlicher Wärme. Bis zum Sommerende am 22. September bleibt das Spätsommerwetter weitgehend stabil. Doch pünktlich zum Herbstbeginn wird es drastisch kälter - die Schneefallgrenze sinkt in den folgenden Tagen auf 1.000m.

Bis zum Dienstag, 22. September garantiert das Hochdruckgebiet „Manfred“ über der Nordsee und Norddeutschland einen sonnigen und sehr warmen Ausklang des Sommers. die Nächte sind nun schon fast so lang wie der lichte Tag. Entsprechend ausgedehnt und wirksam ist bereits die Abkühlung bei Dunkelheit. In sternklarer Nacht sinkt die Temperatur auf 5 bis 9°C. Doch tagsüber werden dann wieder 22 bis 28°C erreicht, mancherorts auch noch einmal 30°C. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien erkennt für Mitteleuropa einen Trend zu häufigeren und längeren Warmwetterperioden im September. Der „lange Sommer“ wird zum Regelfall.

Grund dafür sind stabile Hochdruckwetterlagen, die den Durchzug von Tiefdruckgebieten blockieren. In einem Hochdruckgebiet strömt die Luft im Uhrzeigersinn um das Zentrum. Regionen östlich eines Hochs liegen in einer nordöstlichen Strömung und werden mit kühler Luft geflutet; in Landschaften westlich eines Hochs strömt aus Südwest warme Saharaluft heran. Direkt im Zentrum eines Hochdruckgebiets kommt der Wind „von oben“; absinkende Luftmassen erwärmen sich durch den zunehmenden Luftdruck um ca. 1°C pro 100m. Aus einer Höhe von 5.000m entspricht das einem Temperaturanstieg um 50°C.

Aktuell liegt das Hoch „Manfred“ im Norden Mitteleuropas als Bollwerk vor den vom Atlantik heranziehenden Tiefs. Dadurch gelangt derzeit mit einer Nordostströmung vormals kühle Polarluft nach Mitteleuropa, die sich aber über der noch sehr warmen Landmasse Osteuropas und der Ostsee deutlich anwärmen konnte - und dann durch Strahlungswärme weiter aufgeheizt wird. Deshalb ist es nachts sehr kühl und erst durch den Sonnenschein wird es wieder wärmer. Durch eine langsame Verlagerung in Richtung norddeutsche Tiefebene und Polen gerät der Süden Mitteluropas zunehmend in eine südöstliche Strömung wärmerer Luft. So werden in den kommenden Tagen fast überall noch einmal spätsommerliche 22 bis 28°C erreicht, am Rhein auch bis 30°C. Lediglich auf Bergen und an den deutschen Küsten bleibt es bei Wind etwas frischer.

Pünktlich zum Herbstbeginn am 22. September verändert sich die Wetterlage drastisch. Ab Mittwoch den 23. September schwappt von Nordwesten eisige Kaltfront nach Mitteleuropa. Die Tagesmaxima erreichen dann gerade noch 10 bis 17°C und in den ALpen aber auch im Schwarzwald und im Harz kann es erstmals in der Saison schneien. An den Küsten macht sich der Wärmeflascheneffekt großer Wassermassen bemerkbar; hier bleibt es vorerst noch etwas wärmer. Begleitet wird der Kaltluftüberfall von ergiebigem Regen aus geschlossener Wolkendecke und wahrscheinlich auch heftigem Sturm. Dadurch fällt die gefühlte Temperatur noch deutlich unter den Thermometerwert. Der abrupte Wechsel vom lauschigen sonnigwarmen Spätsommer zu garstig nasskaltem Frühwinterwetter wird eine enorme Belastung für Gesundheit und Gemüt. Dann ist es Zeit, die Garderobe auf „Herbst und Winter“ umzustellen, denn für leichte Sommerkleidung wird es in diesem Jahr kaum noch Verwendung geben.

Quellen:

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn: Vom Spätsommer in den Frühwinter? Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 18.09.2020

ZAMG (2020): Späte "30er" wurden etwas häufiger. Online veröffentlicht am 14.09. 2020

Erstellt am 18. September 2020
Zuletzt aktualisiert am 18. September 2020

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