Wetter
Kalenderblattwinter

Wer heutzutage nicht nur sein Smartphone zur Datumsinformation nutzt, sondern noch einen Wandkalender mit Landschaftspanoramen aufhängt, wird während der Wintermonate auf Prospekte mit schneebedeckter Natur blicken. In den zurückliegenden Jahren muteten diese Bilder doppelt nostalgisch an, aufgrund des antiquierten Kalendertyps und aufgrund der Darstellung einer Winterlandschaft, die es schon seit Jahren nur noch im Bergland gab. Doch heuer (in diesem Jahr) präsentiert sich hierzulande im Flachland ein Kalenderblattwinter.
Vor allem der Osten Deutschlands und in Österreich südlich der Alpen schneite es bereits kräftig. In den deutschen Mittelgebirgen liegen verbreitet 15-30 cm Schnee; in Kärnten und Tirol (Österreich) bereits zwischen einem und drei Metern. Im Flachland haben sich bereits 1-5cm Schnee „angehäuft“, mancherorts auch 10cm. Durch den derzeit leichten Frost kann sich dieser zarte weiße Flaum in weiten Regionen halten. In den Städten, insbesondere auf dunklen Wegen und Straßen taut er jedoch rasch weg. Für das Ambiente eines winterlichen Kalenderblatts muss man urbane Regionen verlassen und den Blick über die offene Landschaft schweifen lassen. Lockerer Boden, trockene Blätter oder Reste der Vegetation garantieren ein Luftpolster, das die dünne Schneeauflage vom noch warmen Boden isoliert.
In den kommenden Tagen greifen weitere Tiefausläufer auf den Norden und Osten Deutschlands über und provozieren weiteren Schneefall. Die Tendenz der Wetterprognose für Mitteleuropa geht von einem Kalenderblattwinter bis Ende Februar aus. Nach einer Reihe von „zu warmen“ Wintern, wird es heuer wieder „normal“ kalt.
Das liegt aber nicht nur an Frost und Schnee, die für Ende Januar und den gesamten Februar erwartet werden, es ist auch Effekt der meteorologischen Referenzdaten. Ab 2021 wird der Zeitraum von 1991 bis 2020 als „langjährigen Durchschnitt" zum Vergleich herangezogen, bislang war es die deutlich kältere Periode von 1961 bis 1990. Zukünftig als „durchschnittlich“ was noch im letzten Jahr als „überdurchschnittlich warm“ klassifiziert wurde. Es ist Zufall, dass sich diese beiden Effekte, der ungewöhnlich kalte Winter und die neue Vergleichsdaten, in der Bewertung des aktuellen Winters gegenseitig verstärken.
Dennoch ist ein Winterwetter „wie vom Kalenderblatt“ für viele Menschen attraktiv, sofern die Gesundheit nicht bei Kälte besonders beeinträchtigt wird und die Wege und Straßen nicht glatt werden.
Quellen: Dipl.-Met. Marcel Schmid: Winterfreuden auch gebietsweise im Flachland. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 04.01.2021
Erstellt am 5. Januar 2021
Zuletzt aktualisiert am 25. Januar 2021
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