Wetter

Kalenderblattwinter

von Holger Westermann

Karl im Schnee

Wer heutzutage nicht nur sein Smartphone zur Datumsinformation nutzt, sondern noch einen Wandkalender mit Landschaftspanoramen aufhängt, wird während der Wintermonate auf Prospekte mit schneebedeckter Natur blicken. In den zurückliegenden Jahren muteten diese Bilder doppelt nostalgisch an, aufgrund des antiquierten Kalendertyps und aufgrund der Darstellung einer Winterlandschaft, die es schon seit Jahren nur noch im Bergland gab. Doch heuer (in diesem Jahr) präsentiert sich hierzulande im Flachland ein Kalenderblattwinter.

 

Vor allem der Osten Deutschlands und in Österreich südlich der Alpen schneite es bereits kräftig. In den deutschen Mittelgebirgen liegen verbreitet 15-30 cm Schnee; in Kärnten und Tirol (Österreich) bereits zwischen einem und drei Metern. Im Flachland haben sich bereits 1-5cm Schnee „angehäuft“, mancherorts auch 10cm. Durch den derzeit leichten Frost kann sich dieser zarte weiße Flaum in weiten Regionen halten. In den Städten, insbesondere auf dunklen Wegen und Straßen taut er jedoch rasch weg. Für das Ambiente eines winterlichen Kalenderblatts muss man urbane Regionen verlassen und den Blick über die offene Landschaft schweifen lassen. Lockerer Boden, trockene Blätter oder Reste der Vegetation garantieren ein Luftpolster, das die dünne Schneeauflage vom noch warmen Boden isoliert.

In den kommenden Tagen greifen weitere Tiefausläufer auf den Norden und Osten Deutschlands über und provozieren weiteren Schneefall. Die Tendenz der Wetterprognose für Mitteleuropa geht von einem Kalenderblattwinter bis Ende Februar aus. Nach einer Reihe von „zu warmen“ Wintern, wird es heuer wieder „normal“ kalt.

Das liegt aber nicht nur an Frost und Schnee, die für Ende Januar und den gesamten Februar erwartet werden, es ist auch Effekt der meteorologischen Referenzdaten. Ab 2021 wird der Zeitraum von 1991 bis 2020 als „langjährigen Durchschnitt" zum Vergleich herangezogen, bislang war es die deutlich kältere Periode von 1961 bis 1990. Zukünftig als „durchschnittlich“ was noch im letzten Jahr als „überdurchschnittlich warm“ klassifiziert wurde. Es ist Zufall, dass sich diese beiden Effekte, der ungewöhnlich kalte Winter und die neue Vergleichsdaten, in der Bewertung des aktuellen Winters gegenseitig verstärken.

Dennoch ist ein Winterwetter „wie vom Kalenderblatt“ für viele Menschen attraktiv, sofern die Gesundheit nicht bei Kälte besonders beeinträchtigt wird und die Wege und Straßen nicht glatt werden.

Quellen:

Dipl.-Met. Marcel Schmid: Winterfreuden auch gebietsweise im Flachland.  Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 04.01.2021

Erstellt am 5. Januar 2021
Zuletzt aktualisiert am 25. Januar 2021

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Tagesgang der Temperatur

Die Tageshöchsttemperatur wird im Sommer hierzulande erst am frühen Abend erreicht, lange nach dem Tageshöchststand der Sonne um etwa 13:00 Uhr. Nicht der Zeitpunkt maximaler Sonneneinstrahlung, sondern die Summe der vom Boden gespeicherten Wärme bewirkt die Temperatur der Luftschicht auf Körperhöhe. weiterlesen...


Weniger Streß durch Nikotinverzicht

Wenn Raucher zur Zigarette greifen, bemühen sie oft das Argument, akuten Stress zu lindern. Sie erhoffen sich kurzfristig spürbare und langfristig wirksame Unterstützung bei der Bewältigung psychischer Belastungen. Doch die regelmäßige Intoxikation mit Nikotin verstärkt die Probleme; erst Abstinenz lässt sie (ver)schwinden.

  weiterlesen...


Produktive Müdigkeit im Home Office

Angestellte, die während der Corona-Pandemie von zu Hause aus arbeiten, schlafen länger und arbeiten effektiver. Diese Effizienz- und Leistungssteigerung gelingt nicht jedem, aber betrachtet man die Menschen im Home-Office insgesamt, bleibt das Ergebnis positiv. weiterlesen...


Placebos wirken auch wenn man es weiß

Auch wenn Patienten wissen, dass die eingenommenen Medikamente keinen pharmakologischen Wirkstoff enthalten, spüren sie eine Linderung ihrer Symptome. Das ergab eine Übersichtsarbeit in der die Ergebnisse von 13 klinische Studien mit insgesamt 834 Patienten zusammengefasst wurden. weiterlesen...


Kommunizierter Placeboeffekt

Wenn ein Medikament ohne Wirkstoff positiv auf das Wohlbefinden wirkt, widerspricht das der naturwissenschaftlichen Erwartung. Gut belegt ist, dass dieser Placeboeffekt von der Hoffnung des Patienten getragen wird. Aber offensichtlich ist auch die Überzeugung des Arztes ein wichtiger Faktor beim Placeboeffekt. weiterlesen...


Überschätzte Schlaflosigkeit

Morgens übermüdet im Bett liegen mit der Gewissheit „Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan“. Dieses Gefühl plagt viele Menschen mit quälender Regelmäßigkeit. Doch zumeist trügt das Empfinden. Die tatsächliche Schlafdauer war in den meisten Fällen kaum kürzer als während einer als erholsam empfundenen Nachtruhe. weiterlesen...