Wetter

Arktische Ostergrüße

von Holger Westermann

Das Osterfest ist ein Frühlingsfest, dessen Termin sich am Vollmond nach der Tagundnachtgleiche zum Winterausklang orientiert. Doch heuer (in diesem Jahr) dominieren nicht Frühlingsgefühle sondern Aprillaunen das Wetter hierzulande. Sonnenschein, Kaltlufteinstrom, Gewitter, Graupel und Schnee, Regen und Sturm - geboten wird das komplette Programm.

Während der Übergangsjahreszeit im März und April neigt das Wetter zu wechselhafter Dynamik. Verantwortlich dafür sind markante Temperaturgegensätze. Wärmender Sonnenstrahlung unterstützt durch Warmluft aus Süden kontrastieren mit Polarluftvorstößen, die Frost und Kälte, Regen- und Schneefronten mit sich bringen. Der rasche Wechsel zwischen den Luftmassen provoziert meteorologische Turbulenz, die man landläufig als „Aprilwetter“ bezeichnet. Je nachdem, ob Mitteleuropa in der warmen oder kalten Zone liegt, bejubelt man die Gelegenheit zum Osterspaziergang im Sonnenschein oder bejammert vom Sofa aus die garstigen Schauer.

Heuer dominiert über die Feiertage die „kalte Seite“. Das spürt man hierzulande besonders drastisch, weil in den Tagen zuvor die „warme Seite“ bereits zum Zuge kam und damit die Erwartungen an „schönes Wetter“ grotesk verzerrte. Über 25°C im Sonnenschein sind für Anfang April nicht „normal“, auch wenn sie sich sehr angenehm anfühlen.

Derzeit bestimmt das Hoch „Odette“ das Wetter hierzulande. Es liegt nördlich von Großbritannien auf dem Atlantik und reckt sich bis nach Mitteleuropa. Dadurch bleibt es hochdrucktypisch sonnig, aber mit seiner Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum führt „Odette“ kalte Polarluft heran. Unterstützt wird das Hoch durch ein Tiefdruckgebiet (Zirkulation der Luft entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum) über Nordskandinavien. Dieser Effekt verstärkt sich in der nacht zum Ostermontag, wenn sich „Odette“ ein wenig weiter nordwärts verlagert. Dann drängt eine Blase sehr kalter Polarluft weit nach Süden und flutet Mitteleuropa.

Deutlich spürbar wird dieser Kaltlufteinbruch entlang markanter Kaltfronten, die am Montagmorgen Norddeutschland erreichen und im Laufe des Ostermontags nach Süden durchzieht. Dort frischt der Wind kräftig auf, an den Küsten und im Bergland muss mit schweren Sturmböen gerechnet werden. Zudem entwickelt sich entlang der Fronten kräftiger Niederschlag; zunächst regnet es in einem breiten Streifen, der sich im Laufe des Tages von Nord nach Süd verlagert. Die nachfolgende Polarluft kühlt die bodennahe Atmosphäre sehr stark ab, sodass schon in mittleren Regionen Deutschlands Schnee fallen kann. Am Abend erreicht die Kaltfront dann die Alpen; Kaltluft und die Abkühlung bei Nacht garantieren, dass dort die Schneefallgrenze bis in Tallagen und die Ebenen des Alpenvorlandes sinkt. In den Staulangen der Berge kann es auch anhaltend schneien und Neuschneemengen von 10 bis 20 cm bringen.

Hat sich am Dienstag die Polarluft überall durchgesetzt, stabilisiert sich das instabile Aprilwetter: Sonne, Wolken, Regen, Schneeregen, Schnee, Graupel, Gewitter und kräftiger Wind. Kleinräumige Wettervorhersagen werden dann bis Mittwoch zur Lotterie - hohe Treffsicherheit gibt es erst im Nachhinein. Erst ab Donnerstag beruhigt sich das Wetter wieder, wobei die Tagesmaxima der Temperatur einstellig bleiben und weitere Kälteeinbrüche nicht ausgeschlossen werden können. Eine deutliche Erwärmung ist wohl erst für Mitte April zu erwarten.

Das menschenswetter-Team wünscht Ihnen ein gesegnetes Osterfest und ein sonniges Gemüt für einen schönen Frühlingsauftakt

Quellen:

M.Sc. Felix Dietzsch: Ostergrüße aus der Arktis. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 03.04.2021

Erstellt am 3. April 2021
Zuletzt aktualisiert am 3. April 2021

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Wechsel zu winterlichem Wetter

Derzeit ist das Wetter dröge. Hochdruck dominiert mit Nebel, Niesel und wenig Wind. Selten zieht mal eine schwache Kaltfront über die Landschaft und bewirkt ein wenig Luftdurchmischung mit einzelnen Wolkenlücken, ansonsten bleibt es beim Dauergrau. Da kann ein Wetterwechsel doch nur Besserung bedeuten - oder nicht? weiterlesen...


Ein Bild des Partners lässt Schmerzen schwinden

Zärtlichkeit lindert Schmerzen. Dabei wird der geliebte Partner körperlich wahrgenommen, man ist der schützenden und tröstenden Gegenwart gewiss. Zudem wirkt das genau in diesem Moment ausgeschüttete Kuschelhormon Oxytocin als natürliches Analgetikum. Forscher der Justus Liebig Universität Gießen (Hessen) haben nun herausgefunden: Ein Bild vom Partner genügt, um das Schmerzempfinden zu reduzieren. weiterlesen...


Weniger Streß durch Nikotinverzicht

Wenn Raucher zur Zigarette greifen, bemühen sie oft das Argument, akuten Stress zu lindern. Sie erhoffen sich kurzfristig spürbare und langfristig wirksame Unterstützung bei der Bewältigung psychischer Belastungen. Doch die regelmäßige Intoxikation mit Nikotin verstärkt die Probleme; erst Abstinenz lässt sie (ver)schwinden.

  weiterlesen...


Produktive Müdigkeit im Home Office

Angestellte, die während der Corona-Pandemie von zu Hause aus arbeiten, schlafen länger und arbeiten effektiver. Diese Effizienz- und Leistungssteigerung gelingt nicht jedem, aber betrachtet man die Menschen im Home-Office insgesamt, bleibt das Ergebnis positiv. weiterlesen...


Placebos wirken auch wenn man es weiß

Auch wenn Patienten wissen, dass die eingenommenen Medikamente keinen pharmakologischen Wirkstoff enthalten, spüren sie eine Linderung ihrer Symptome. Das ergab eine Übersichtsarbeit in der die Ergebnisse von 13 klinische Studien mit insgesamt 834 Patienten zusammengefasst wurden. weiterlesen...


Kommunizierter Placeboeffekt

Wenn ein Medikament ohne Wirkstoff positiv auf das Wohlbefinden wirkt, widerspricht das der naturwissenschaftlichen Erwartung. Gut belegt ist, dass dieser Placeboeffekt von der Hoffnung des Patienten getragen wird. Aber offensichtlich ist auch die Überzeugung des Arztes ein wichtiger Faktor beim Placeboeffekt. weiterlesen...