Wetter
Markanter Temperaturrückgang beendet das kurze Hochsommerintermezzo
Andernorts in Europa plagt anhaltende Hitze Menschen und Natur; hierzulande bleibt der Sommer kühl und regnerisch. Lediglich im Großraum Wien und südlich der Alpen konnte man sich heuer (in diesem Jahr) über einen längeren Zeitraum an typischem Sommerwetter freuen. Ansonsten blieb für Mitteleuropäer das Sommergefühl ein immer wiederkehrendes aber stets nur kurzzeitiges Vergnügen.
Der gefühlte Sommer moduliert das Wohlbefinden. Noch vor wenigen Tagen war es morgens unangenehm frisch und selbst zur Mittagszeit ergänzte eine leichte Jacke die Garderobe, um beim spazieren die Wohlfühltemperatur zu garantieren. Derzeit hemmen 30°C Lufttemperatur und Schwüle Aktivitätseuphorie und Konzentrationsfähigkeit. Doch auch dieses Intermezzo endet bereits, bevor man sich auf das Hochsommerklima eingestellt hat - schon zu Beginn der kommenden Woche.
Ein Sommer, wie ihn sich die meisten Menschen und ganz besonders die Familien in den Ferien wünschen, ist nicht in Aussicht. Es wird sich keine stabile Hochdruckwetterlage mit Sonnenscheingarantie und Schwimmbadtemperatur entwickeln. Aktuell befindet sich Deutschland zwischen dem Hoch „Elfi“ über Südosteuropa (Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum) und dem Tief „Kurt“ über Nordwesteuropa (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn). Dabei wird mit südwestlicher bis westlicher Strömung vor allem in die Südhälfte nochmals ein Schwall sehr warme und auch feuchte Luft geführt. In 1500 m Höhe (wo das Landschaftsprofil keine allzu große Rolle mehr spielt) erreicht derweil die Temperatur 15°C. In den Tälern und Ebenen ist es zu dieser Jahreszeit ungefähr 15°C wärmer, also werden dort 30°C erreicht. Durch zunehmende Schwüle liegt die gefühlte Temperatur aber deutlich darüber. Über Norddeutschland erreicht die 1500m-Temperatur nur 10°C; am Boden sind es dann maximal 25°C. Doch durch den deutlich spürbaren Wind wird die gefühlte Temperatur als kühler empfunden.
Am Wochenende ändert sich an der Temperaturverteilung nicht wesentlich. An den deutschen Küsten wird das Wetter weniger sonnig, zunehmend wechselhaft und wolkig. Im Norden Mitteleuropas werden wohl nicht mal mehr 25°C erreicht, die sich wegen des Windes auch noch frischer anfühlen. Je weiter man nach Süden vorankommt, umso wärmer wird es (objektiv gemessen und als gefühlte Temperatur). Mit jedem Kilometer steigt die Wahrscheinlichkeit für Sonnenschein und für höhere Tagesmaxima der Temperatur.
Vielerorts können sich die Menschen am Hochsommerwetter wie vom Kalenderblatt erfreuen. Südlich der Donau sollte man dabei aber die Himmel im Blick behalten. Nachmittags türmen sich dort mancherorts hochreichende Quellwolken, die sich lokal zu heftigen Schauern und Gewittern mit Platzregen und Hagel entwickeln können.
Zum Start in die neue Woche verändert sich die Wetterlage über Mitteleuropa. Zuerst im Norden und Westen, später auch im Süden und Osten. Die Schwüle des Hochsommerwetters weicht dem ersten Vorstoß des Frühherbsts. Vor allem im Norden und Westen wird der Wetterwechsel spektakulär. Ein Tiefdruckgebiet über Skandinavien (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum) lenkt mit einer kräftigen westlichen bis nordwestlichen Luftströmung kühle Luft in die norddeutsche Tiefebene und entlang des Rheins bis weit in den Südwesten Deutschlands. Vor allem auf den Gipfeln der Mittelgebirge und an der Küste drohen stürmische Böen, im Binnenland kommt der Wind noch ruppig daher. Schauer und Gewitter begleiten den Luftmassenwechsel, die Sonne lugt nur noch selten zwischen den Wolken hervor. Die Temperatur geht merklich zurück. Die maximal 20°C fühlen sich bei Wolken, Wind und Regen sogar noch kühler an. Nicht zuletzt aufgrund des drastischen Kontrastes zum schwülen Hochsommer der Tage zuvor wird die gesamte Anmutung als Frühherbst-Überfall erscheinen. Das ganze Land wird von Polarluft geflutet und in 1.500m-Höhe werden nur noch 3 bis 6°C erreicht. Damit schwindet die Chance auf ein Temperaturmaximum über 20°C. Nur im - immer seltener durchdringenden - Sonnenschein kann die Lufttemperatur noch einmal bis knapp an die 25°C steigen.
Für wetterempfindliche Menschen ist dieser Sommer eine besondere Gesundheitsbelastung, weniger wegen extremer Risiken (die waren seltener und kürzer als in anderen Jahren) als vielmehr wegen der steten Unbeständigkeit. Das ständige Auf und Ab der Maximaltemperatur, die ungewöhnlichen Kälteperioden, die Schwüle nach intensiven Regenphasen, die kräftige Sonnenstrahlung auf wenig sonnengewöhnte Haut. Nach dem Ende des „offiziellen“ Hochsommers (1. Juli bis 15. August) bleiben noch einige Spätsommerwochen für laue Abende und angenehm warme, nicht zu heiße Tage - bevor es dann tatsächlich in den Frühherbst über geht.
Quellen: Dipl.-Met. Marcel Schmid: Vom Sommerintermezzo in den Frühherbst. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 13.08.2021
Erstellt am 13. August 2021
Zuletzt aktualisiert am 13. August 2021
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