Wetter
Wechsel zu winterlichem Wetter
Derzeit ist das Wetter dröge. Hochdruck dominiert mit Nebel, Niesel und wenig Wind. Selten zieht mal eine schwache Kaltfront über die Landschaft und bewirkt ein wenig Luftdurchmischung mit einzelnen Wolkenlücken, ansonsten bleibt es beim Dauergrau. Da kann ein Wetterwechsel doch nur Besserung bedeuten - oder nicht?
Das kommt darauf an, was man zu dieser Jahreszeit als „besser“ bezeichnen möchte. Wer Sonnenschein zur Aufhellung von Geist und Gemüt erhofft, wird mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Wer sich zum ersten Adventswochenende Winterwetter wie vom Kalenderblatt wünscht, darf sich höchstwahrscheinlich freuen. Die meteorologischen Mittelfristprognosen errechnen einen Vorstoß sehr kalter Polarluft nach Mitteleuropa. Kurz danach trifft darauf dann die feuchtwarme Front eines Atlantiktiefs: Es schneit dann bis auf 300m hinab, vielleicht auch flächendeckend bis in die Tallagen und Tiefebenen. Vielerorts wird sich ausserhalb der Wärmeinseln geschlossener Siedlungen eine zarte Schneedecke ausbreiten, in höheren Lagen kann es auch eine dickere Decke werden - von 10 bis 20 cm.
Für wetterempfindliche Menschen ist weder die aktuelle Lage, noch die Prognose eine verlockende Perspektive. Doch auch hier gilt: Es kommt darauf an! Es kommt darauf an, welche Gesundheitsbeeinträchtigung die Wetterempfindlichkeit begründet und welches Risikoszenarium sich daraus ableitet. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei nasskaltem Wetter durch den rasanten Rückgang der gefühlten Temperatur besonders gefährdet. Frostige Luft mit viel Feuchtigkeit und die Anmutung von garstiger Kälte vor Augen lässt frösteln, selbst wenn man sich noch in der warmen Wohnung aufhält. Wer dann vor die Tür tritt, erlebt eine heftige Körperreaktion. Um den Verlust von Körperwärme zu verringern, ziehen sich die Adern zusammen. Dadurch steigt der Blutdruck steil an - und infolgedessen auch das Risiko einen Infarkt zu erleiden.
Menschen mit Rheuma oder mit einer Veranlagung zu Muskelverkrampfungen spüren oftmals eine Verstärkung der Symptome. Das gilt auch für Menschen mit Fibromyalgie. Was konkret diese Verschlechterung des Befindens bewirkt ist nicht vollständig verstanden. Eine leichte aber anhaltende Anspannung der Muskulatur, die auch Druck auf das umliegende Gewebe verursacht scheint dabei eine Rolle zu spielen.
Es ist vorrangig der rasante Wechsel der Wetterlage, der besonders heftige Reaktionen des Körpers provoziert. Hat man sich an das Winterwetter gewöhnt, fallen die körperlichen und mentalen Reaktionen moderater aus. So reagieren Menschen mit Asthma auf den ersten Frost oft mit Verkrampfungen der Atemwege. Nach der Gewöhnungsphase sind die Reaktionen oft weniger dramatisch. Andere Atemwegserkrankungen, deren Symptome durch Luftschadstoffe verstärkt werden, können vom Zustrom kalter Luft oder vom Schneefall sogar profitieren, da die Ansammlung von Staub und Schadgasen in den Nebeltröpfchen aufgelöst und ausgewaschen wird.
Für andere Erkrankungen ist der Wechsel zu Kälte und Nässe ein indirekter Symptomverstärker: Bei diesem Wetter will niemand vor die Tür und damit fehlen Bewegung und frische Luft, insbesondere die Bewegung an der frischen Luft. Damit sinkt die Schlafqualität, Konzentrationsschwäche und Motivationsprobleme verstärken sich, die Neigung zur Depressivität gewinnt Einfluss auf die mentalen Konstitution.
Auf der anderen Seite kann eine vorübergehend schneebedeckte Landschaft auch positive Erinnerungen und Emotionen wecken. Gerade jetzt, pünktlich zu Beginn des Advents, garantiert dieser Wetterwechsel die ideale Dekoration für die Zeit vorweihnachtlicher Gemütlichkeit. Es fühlt sich sogar gemütlich an, wenns draussen garstig und drinnen wohlig warm ist - wenn man dann trotzdem gelegentlich lüftet.
Quellen: Dipl.-Met. Sabine Krüger: Wetterwechsel in Sicht. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 21.11. 2021 Dipl.-Met. Marco Manitta: Winterlicher erster Advent. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 22.11. 2021
Erstellt am 23. November 2021
Zuletzt aktualisiert am 23. November 2021
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