Wetter

Sonniger Frühlingsanfang

von Holger Westermann

Astronomisch beginnt heute am Sonntag, den 20. März 2022, nachmittags um 16:33 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) das Frühjahr. Genau dann überquert der Höchststand der Sonne am Tag (Zenit) den um 23,5° zur Umlaufbahn der Erde geneigten Himmelsäquator. Seit jeher bemerken die Menschen den Jahreszeitenwechsel daran, dass zu diesem Datum der lichte Tag und die Nacht genau gleich lang sind - die Tagundnachtgleiche.

Das Datum heuer (in diesem Jahr) mag manche Menschen wundern: Denn Generationen haben gelernt, dass der Frühling am 21. März beginnt. Tatsächlich galt dies sehr lange leidlich zuverlässig. Bis 1916 war es fast immer der 21. März. Jedoch schon ab 1983 tauchte der 21. nur noch alle vier Jahr auf - und schon seit 2012 gehört er ganz der Vergangenheit an. Dafür wird ab dem Jahr 2048 das Frühjahr immer öfter schon am 19. März starten.

Der astronomische Frühlingsanfang orientiert sich am Zusammenspiel von Erdrotation (Tag) und der Umlauf der Erde um die Sonne (Jahr). Die Rotationsachse der Erde ist gegenüber den Umlaufbahn um die Sonne um 23,5°C geneigt. Daher steht die Sonne von der Erde aus betrachtet nur zweimal im Jahr senkrecht über dem Äquator - in diesen Momenten werden beide Erdhälften trotz des Neigungswinkels der Erdachse gleichmäßig beschienen. Dann beginnt der Frühling beziehungsweise der Herbst.

Leider sind diese beiden Bewegungen schlecht synchronisiert. Der Umlauf der Erde um die Sonne dauert 365 Tage, 5 Stunden und 49 Minuten. Die „überzähligen“ 5 Stunden und 49 Minuten werden alle vier Jahre mit einem Schalttag am 29. Februar ausgeglichen. Doch der Schalttag hat 24 und nicht 23 Stunden und 16 Minuten. Daher wandert der Frühlingsanfang mit jedem Schalttag um etwa eine Dreiviertelstunde zurück.

Im Laufe der Kalendergeschichte hätte sich so schon eine erhebliche Differenz angesammelt. Deshalb ersann man zum Ausgleich Ausnahmen von der Schaltjahrregel. Zum glatten Jahrhundertwechsel verzichtete man in den Jahren 1700, 1800 und 1900 auf den Schalttag, im Jahr 2000* gab es dann wieder einen und 2100 wird er erneut ausfallen. Diese langfristig wirksamen Korrekturen garantieren eine dauerhafte Korrespondenz unseres Kalendersystems zur Koordination der beiden natürlichen Taktgeber Jahr (Umlauf der Erde um die Sonne) und Tag (Erdrotation). Das Nachjustieren über Schalttage entspricht dem sprunghaften Zurückstellen der Uhr, zwischenzeitlich summieren sich die Fehlerzeiten - und deshalb verschiebt sich der Frühlingsanfang bis zur nächsten Korrektur im Jahr 2100 immer weiter in Richtung 19. März. Dieser Effekt betrifft natürlich nicht nur das Datum des Frühlingsanfangs sondern jeden Jahrszeitenwechsel; der Sommer wird immer öfter schon am 20. Juni beginnen, der Herbst am 22. September und der Winter zukünftig am 21. Dezember anfangen.

Für wetterempfindliche Menschen ist jedoch der phänologische Frühlingsbeginn - das Ersprießen und Erblühen in der Natur - relevant. Hier wirken Sonnenstrahlung und Sonnenwärme, Regenfeuchte im frostfreien Boden und Warmlufteinstrom zusammen. Je nach Landschaftsprofil und geographischer Breite (Nord oder Süd), nach Tal- oder Berglage, nach Sonnen- Regen oder Nebelregion lässt sich dieses Erweckungsereignis früher oder später beobachten. In den letzten Jahren immer früher. Ein typisches Anzeichen, das in ganz Europa zu beobachtet werden kann, ist die Apfelblüte. In Faro (Portugal) beginnt sie um den 26. Februar herum. Im langjährigen Mittel erreicht er am 20. April den Oberrhein und am 25. Mai Finnland. Der natürliche Frühling kommt so täglich rund 40 Kilometern nordwärts voran.

Derzeit genießen die Menschen in Mitteleuropa die angenehme Seite der frühen Frühlings: Durch stabilen Hochdurckeinfluß bleibt es sonnig und zunehmend warm. Sogar der bislang vielerorts ruppige Ostwind schwächt sich ab und eine südliche Strömung unterstützt den Temperaturanstieg. Dann ist es auch frühmorgens nicht mehr gar so frisch. Ein Frühlingsbeginn wie aus dem Wünsch-Dir-Was-Bilderbuch.

 

* Ist die Jahreszahl durch 100 teilbar, aber nicht durch 400, ist es kein Schaltjahr. 2100 wird kein Schaltjahr sein. Ist die Jahreszahl durch 400 teilbar, dann ist es ein Schaltjahr. Deshalb war das Jahr 2000 ein Schaltjahr.

Quellen:

Eigenartikel der Menschenswetter Redaktion

Erstellt am 20. März 2022
Zuletzt aktualisiert am 20. März 2022

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