Wetter

Schwitzen für Fortgeschrittene

von Holger Westermann

Hierzulande wird es - mal wieder - hochsommerlich heiß. Das ist zu dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich. In diesem Sommer ist das jedoch bereits die vierte Hitzewelle und das ist dann schon etwas Besonderes. Für sonnensüchtig Menschen ein probater Grund, die Reise in den Süden aufzuschieben; für hitzegeplagte Menschen eine erneute Herausforderung für die Gesundheit.

Kaum ebbt die vergangene Hitzewelle ab, flutet bereits die nächste heran. Die Zeit dazwischen währt inzwischen nur noch wenige Tage, wobei die Tagesmaxima auch dann vielerorts noch über 30°C liegen. Spürbar ist die Abkühlung vorrangig am frühen Morgen, wenn sich die Luft in sternklarer Nacht wieder angenehm frisch abgekühlt hat. Während einer Hitzewelle bliebt es unter dem Zustrom heißer Saharaluft auch über Nacht und frühmorgens um die 20°C warm.

Derzeit stabilisiert sich zwischen dem Tief „Heidelore“ über dem Nordmeer (mit einer großräumigen Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum) und dem Hoch „Normen“ über Mitteleuropa (Luftströmung im Uhrzeigersinn) der Transport von heißer Luft aus Afrika über das Mittelmeer hinweg nach Österreich und Deutschland.

Zieht „Heidelore“ ostwärts ab, führt das Tief an seiner Rückseite Polarluft heran - die Kaltfront trifft den Nordwesten Deutschlands mit lokal unwetterartigen Schauern und Gewittern. Der Temperaturrückgang ist drastisch, von rund 35°C Tagesmaximum auf knapp über 20°C tagsüber und mancherorts knapp unter 10°C bei Nacht. Im Süden Deutschlands und in Österreich verliert sich die Dynamik des Luftmassenaustauschs. Dort bleibt es mit 25 bis 30°C sommerlich warm. Hier entstehen lediglich entlang der Alpen Gewitter. 

Unter dem Einfluß des neu formierten Hochdruckgebiets „Oskar“ beruhigt sich das Wetter wieder bei Sonnenschein, dekoriert mit einzelnen kleinen Wolken. Aus solchem normalen Hochsommerwetter kann sich im Zusammenspiel mit einem heranziehnden Atlantiktief erneut eine Heißluftdüse bilden mit der dann eine weitere Hitzewelle nach Mitteleuropa schwappt. Noch hat der Sommer 2022 genug Energie für weitere Hochsommertage. Regen in nennenswertem Ausmaß bleibt den kleinräumigen Regionen vorbehalten, über denen sich eine Gewitterwolke ergießt.

Für wetterempfindliche Menschen ist die anhaltende Hitze eine besondere Herausforderung. Wer die Möglichkeit dazu hat, sollte die frühen Morgenstunden bis ein Stunde nach Sonnenaufgang für Aktivitäten im Freien nutzen. So kann man auch bei dieser Wetterlage Gemüt, Fitness und Gesundheit stärken. Auf die Abkühlung am Abend zu warten, kann enttäuschen. Der trockene Boden oder gar eng beieinander stehende Häuser geben dann so viel Wärmestrahlung ab, dass eine echte Abkühlung lange ausbleibt. Glücklicherweise werden die aktuellen Hitzewellen zumeist von Wind begleitet, so dass die gefährliche Ansammlung von Ozon und Feinstaub in den Straßen der Großstädte kein zusätzliches Risiko — insbesondere für Menschen mit Atemwegsproblemen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen — darstellt.

Ansonsten sind die Menschen heuer (in diesem Jahr) hierzulande durch den raschen Reigen der Hitzewellen schon gut „trainiert“ und konnten Erfahrung sammeln, welche Tipps zum Vermeiden von Hitzefolgen tatsächlich hilfreich sind und was weitgehend wirkungslos bleibt. Insofern darf man sich schon als „Fortgeschrittener“ im Hitzemanagement klassifizieren.

Quellen:

Dipl.-Met. Tobias Reinartz: "Schwitzen für Fortgeschrittene" - die nächste Runde. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 03.08.2022

Erstellt am 3. August 2022
Zuletzt aktualisiert am 4. August 2022

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