Wetter
Hitze und Gesundheit
Wechselhaft, kühl und vielerorts windig präsentierte sich bislang der Juni 2026. Doch nun wechselt der Sommer zu Schwüle und Hitze. Für wetterempfindliche Menschen ist nicht gefühlte Temperatur an sich, sondern vorrangig die ungewöhnliche Dynamik der Veränderung ein großes Gesundheitsrisiko.
Von Südwesten reckt sich ein Hochdruckgebiet nach Mitteleuropa und führt aus Afrika über das Mittelmeer heiße und zunehmend auch sehr feuchte Luft heran. Die Lufttemperatur, steigt rasch über 30°C, entlang des Oberrheins sind auch Spitzenwerte bis 36°C möglich. Doch die körperlich wirksame „gefühlte Temperatur“ liegt aufgrund der hohen Luftfeuchte deutlich darüber. In der Schwüle rinnt der Schweiß wirkungslos am Körper herab, der Kühlungseffekt bleibt aus. Jede Muskelaktivität, die weitere Körperwärme produziert, wird als enorme Zusatzbelastung wahrgenommen. Zudem bleibt in feuchtheißer Luft der Feinstaub länger in der Schwebe, so dass sich mit der Zeit Feinstaub in der Atemluft anreichert. Schauer und Gewitter können - nach einer kritischen Phase zu Beginn, wenn Schwüle und Pollenallergene besonders intensiv auftreten - hier effektive Entlastung bringen, sobald sie vorüber gezogen sind. Die Lufttemperatur sinkt und die Luftqualität bessert sich spürbar.
Das gilt nicht nur für die jetzt, Mitte Juni 2026, angekündigte Hitzeepisode, sondern für alle zumindest drei Tage anhaltenden Sommertage mit 30°C-Tagesmaxima. Dann sprechen Meteorologen von einer „Hitzewelle“. Typisch ist dann auch, dass die Tagesminima in der Nacht nicht unter 20°C fallen, sogenannte „Tropennächte“ auftreten. Diese sind für die Gesundheit ebenso relevant wie die Hitzetage, denn sie haben erheblichen negativen Einfluß auf die Schlafqualität; mehrere in Folge einen besonders belastenden. Wer schlecht geschlafen hat ist tagsüber körperlich und mental weniger belastbar, sozial unverträglich und unkonzentriert. Das Risiko für Gesundheit allgemein, Aggressivität und Streit, Konzentrationsfehler und Unfälle sowie die Empfindlichkeit gegenüber der Hitze am Tag nehmen stark zu.
Doch was genau passiert bei einer „gefühlten Temperatur“ von über 30°C?
- Die Haut erwärmt sich, die Temperaturdifferenz zur Umgebungsluft wird geringer, die Körperwärme aus der Körpermitte (Muskeln, Leber, Verdauung) kann nicht mehr so gut abgeleitet werden
- Die Blutgefäße der Haut weiten sich, um den Transport der Körperwärme aus der Körpermitte zur Haut zu verbessern
- Die Schweißproduktion steigt, um über Verdunstungskälte die Abgabe der Körperwärme über die Haut zu verbessern
- Das Herz schlägt schneller, damit trotz geweiteter Adern weiterhin genug Blut zu den lebenswichtigen Organen und gleichzeitig für die Wärmeabfuhr zur Haut gelangt
- In den geweiteten Adern sinkt der Blutdruck, wodurch der Blutrückfluss zum Herzen über die Venen beeinträchtigt wird (insbesondere wenn zu wenig getrunken wurde, um das Blutvolumen aufzufüllen)
- Das Blut sammelt sich in den Beinvenen, die „dicken Beine“ sind ein ernstzunehmendes Warnsignal für ein erhöhtes Thromboserisiko durch „eingedicktes“ Blut
- Das besonders belastete Herz kann bei Menschen mit Herzproblemen und-oder chronischen Vorerkrankungen akute Symptome wie Brustenge, Bluthochdruck (entgleisende Überreaktion) oder Herzrhythmusstörungen auslösen
- Auch die Durchblutung des Gehirns kann sich verringern, vor allem im Stehen, was Schwindel oder Ohnmacht begünstigt. Mehrere Kniebeugen nacheinander, was bei der Haus- oder Gartenarbeit häufig vorkommt, sind dann besonders unfallträchtig
Ein besonders hohes Risiko tragen ältere und chronisch kranke Menschen. Einerseits sind sie aufgrund ihrer ohnehin schon eingeschränkten Gesamtfitness auf einem niedrigeren Niveau widerstandsfähig, andererseits können sie den Einfluß der Hitze auf ihre Gesundheit nicht so rasch durch angepasstes Verhalten verändern.
Womöglich weil sie für ihr körperliches Wohlbefinden nicht mehr die Erfüllung von Maximalansprüchen voraussetzen, nehmen ältere Menschen Hitze und Durst schlechter wahr und trinken dadurch zu wenig. Hinzu kommt bei vielen eine alltägliche Unsicherheit beim Gehen, die während heißer Tage durch den zusätzlichen Schwindel verstärkt wird. Vermeintlich „unnötige“ Weg werden vermieden. Dabei wäre gerade jetzt beides sinnvoll, körperliche Bewegung und kühlende Wasserversorgung (wobei Pfefferminztee - erfrischende Wirkung durch Menthol - besser hilft als eiskalte Getränke). Es lohnt, die Hitzeträgheit zu überwinden, um sich selbst Gutes zu tun. Eine leichte Aktivität verbessert auch die Chance auf erholsamen Schlaf, trotz Tropennacht.
Quellen: Bauer, N. (2026): Erwartet uns eine intensive Hitzewelle? PM des DWD vom 14.06. 2026 Fisher, J.T. et al. (2022): Cardiovascular responses to orthostasis during a simulated 3-day heatwave. Scientific Reports 12: 19998. DOI: 10.1038/s41598-022-24216-3
Erstellt am 16. Juni 2026
Zuletzt aktualisiert am 16. Juni 2026
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