Wetter
Mitteleuropa steckt im Tiefdrucksumpf
Derzeit erstreckt sich durchgängig tiefer Luftdruck (um die 1005 hPa) von Skandinavien über Osteuropa, das zentrale Mittelmeer bis nach Israel. Zwar gliedert sich dieser Tiefdrucksumpf durch Luftdruckfronten in einzelne Tiefdruckgebiete, die Druckunterschiede sind aber sehr gering (< 10 hPa). Dennoch ist die aktuelle Wetterentwicklung durchaus dynamisch, die Temperaturverteilung über Europa sogar ungewöhnlich: warm und sonnig in Skandinavien und Osteuropa, vergleichsweise kühl und regnerisch in Frankreich, Spanien und Portugal. Verantwortlich dafür ist ein mächtiges Höhentief mit seinem Zentrum über Deutschland.
Das Höhentief lässt die Luftmassen in einem Radius von mehreren tausend Kilometern über Kontinente hinweg entgegen dem Uhrzeigersinn strömen. Der Einflussbereich normaler Bodentiefs erstreckt sich zumeist nur über wenige hundert Kilometer, ihre Wirkung ist eher regional relevant. Der Wirkmechanismus ist aber in beiden Fällen der selbe: auf der Ostseite des Zentrums wird warme Luft aus dem Süden nach Norden und auf seiner Westseite Kaltluft nach Süden transportiert.
Da diese Wetterlage nun schon seit einiger Zeit anhält, hat sich die Warmluft bereits bis Nordskandinavien durchgesetzt. Die Menschen erleben dort am Polarkreis einen vorgezogenen Sommer mit 25°C Lufttemperatur, jahreszeitlich üblich wäre eine Tageshöchsttemperatur von rund 5°C. In den baltischen Staaten und den Ostseeküsten Skandinaviens können sogar 30°C erreicht werden. Genau so warm wird es derzeit nur in Israel und den Nachbarstaaten am Mittelmeer.
Die Kehrseite des Höhentiefs ist auf der iberischen Halbinsel und in Frankreich zu besichtigen. Eine Tageshöchsttemperatur unter 20°C begleitet von ergiebigen Regenfällen ist für Einheimische wie Touristen ein unangenehmes Maiwetter, zumal die Temperatur nachts auch unter 10°C fallen kann. Im Zentrum des sich langsam ostwärts verlagernden Höhentiefs, treffen direkt über Mitteleuropa kühle und warme Luftmassen aufeinander, es regnet ausdauernd und ausgiebig. Gebietsweise fällt innerhalb von 24 Stunden mehr Wasser vom Himmel als im gesamten Monat Mai zu erwarten gewesen wäre. Rein statistisch betrachtet dürfte es anschließend an den verbleibenden Maitage gar nicht mehr regnen – leider hält sich das Höhentief nicht an die Mittelwertvorgaben.
Quellen: Dipl.-Met. Christoph Hartmann: Der Tiefdrucksumpf. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 20.05.2013
Erstellt am 20. Mai 2013
Zuletzt aktualisiert am 20. Mai 2013
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