Wetter
Mitteleuropäische Westwetterlage
Westwetterlage, so nennen Meteorologen die hierzulande am häufigsten und nachhaltig wirksame Großwetterlage. Dabei ziehen Tiefdruckgebiete, die sich südlich von Grönland bilden, in rascher Folge vom Nordatlantik über die Nordsee nach Skandinavien und verschwinden in Richtung Ost- und Nordosteuropa. Diese Autobahn der Tiefdruckgebiete verläuft zumeist zwischen dem 50. und 60. Grad nördlicher Breite, in einem Korridor zwischen Würzburg/Frankfurt am Main und Stockholm oder Oslo/St. Petersburg. Fronten und Ausläufer der Tiefs reichen oft weit nach Süden und überqueren Mitteleuropa. Deshalb ist das Wetter in Norddeutschland oft unbeständig und südlich des Mains zunehmend sonnig.
Typisch für Westwetterlagen ist, dass sie unbeständig sind. Mehrtägige Episoden mit zahlreichen Schauern oder länger andauernden Niederschlägen wechseln sich ab mit kurzen, wenige Tage andauernden trockenen und manchmal auch sonnigen Perioden. Im Winter bleibt es bei Westwetterlagen relativ mild. Die über den vom Golfstrom erwärmten Atlantik (Azoren 17-18°C, Irische See 8°C) herangeführte Luft ist zwar feucht aber nicht frostig. So fällt bei Westwetterlagen nur selten Schnee bis hinunter in mittlere Lagen (etwa 500 m).
Im Sommer wirkt der Atlantik dagegen kühlend (Azoren 21-23°C, Irische See 15°C). Die Sonne erwärmt die mitteleuropäische Landmasse kräftig, bei Westwind ziehen Wolken auf, die den Sonnenschein abschirmen und zudem ist di eLuft vergleichsweise kalt. Sommerliche Westwetterlagen wecken nur wenig Begeisterung. Besonders im Herbst und im Frühling wird das wechselhafte Wetter oft von heftigen Stürmen begleitet. In den Übergangsjahreszeiten sind die Temperaturgegensätze zwischen tropischer Warmluft und polarer Kaltluft hierzulande groß. Der Temperatur- und Druckausgleich bewegt große Luftmassen in kurzer Zeit – es entwickeln sich mächtige Stürme. Nahezu alle großen Stürme in Mitteleuropa waren mit einer Westwetterlage verbunden.
Westwetterlagen sind sehr stabil. So zeigt sich auch derzeit keine Tendenz zum Wetterwechsel. Abgesehen von vorübergehenden Hochdruckeinfluss arbeitet der Nachschub an Tiefausläufern zuverlässig. So bleibt es wechselhaft, sofern man bereit ist ständigen Wechsel als Stabilität anzuerkennen. Dabei bleibt es für die Jahreszeit angenehm mild, es wird aber zunehmend windig. Dadurch kann die gefühlte Temperatur merklich sinken, auch wenn das Thermometer keine Änderung anzeigt. Ein Wechsel zur wind- und regendichten aber atmungsaktiven Herbstjacke kann den gewohnten Komfort sicherstellen und möglicherweise auch vor Erkältungen schützen. Zwar halten wärmende Jacken keine Schnupfenviren ab, doch sie können das Frösteln verhindern. Diese Kältereaktion des Körpers signalisiert, dass die aktuelle Witterung das Immunsystem beansprucht und gerade jetzt eine Virenattacke erfolgreich sein könnte.
Quellen: Dipl.-Met. Christian Herold: Wie lange hält die Westwetterlage? Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 31.10.2013
Erstellt am 4. November 2013
Zuletzt aktualisiert am 7. November 2013
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