Pollenbelastung beginnt in diesem Jahr besonders früh

Wetter und Heuschnupfen verstärken Migräne-Attacken

von Holger Westermann

Aufgrund des sehr milden Winters beginnt die Pollensaison heuer (in diesem Jahr) deutlich früher als in anderen Jahren. Für Menschen, die zu allergischen Reaktionen auf Pollen-Eiweiße neigen, klagen bereits über Heuschnupfen, Asthma und Entzündung der Bindehaut des Auges (Konjunktivitis). Migräne-Patienten wurden bisher nicht explizit zu den Leidtragenden gerechnet; das könnte sich ändern.

„Der Dezember war im Schnitt etwa 2,7°C zu warm, der Januar sogar 2,8°C“, erläutert der Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) das bisherige Winterwetter. Derzeit stürmt erneut Warmluft nach Mitteleuropa. Vielerorts werden mehr als 10°C erwartet: ideale Bedingungen für frühzeitigen Pollenflug. Der einzige Trost für Heuschnupfen-Geplagte ist die weiterhin hohe Luftfeuchte, die das Freisetzen der Allergene reduziert. Zudem belastet das stürmische und vergleichsweise feucht-warme Wetter die Menschen mit Migräne. Einerseits ist die Lufttemperatur hoch, andererseits sinkt durch den Wind die gefühlte Temperatur.

Rund 10% der Menschen in Industrieländern leiden unter Migräne (etwa 15% der Frauen und 6% der Männer), glücklicherweise in der Mehrzahl nur unter seltenen Attacken. Zudem ist jeder vierte Mensch in den Industrieländern (28%) von Allergien betroffen, die eine Entzündung der Nasenschleimhäute hervorrufen. Für ihre Studie analysierten die Forscher der Universität Cincinnati (Ohio, USA) die Daten von 6.008 Migräne-Patienten und teilten sie in zwei Gruppen: Patienten mit chronischer Rhinitis und ohne Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut).

Treten Migräne und allergische Rhinitis zeitgleich auf, können sich die Symptome wechselseitig verstärken. Bisher ging man jedoch davon aus, dass in erster Linie die allergischen Reaktionen eine verstopfte Nase und leichte Kopfschmerzen hervorrufen. Doch offensichtlich sind Migränepatienten mit Allergien gleich doppelt geplagt, denn die allergische Reaktion verstärkt auch ihre Migräne-Symptome; sie werden intensiver und treten häufiger auf.

Dabei erwiesen sich sogenannte gemischt-allergische Trigger wie Parfüm, Wetter und Zigarettenrauch als besonders belastend. Sie provozierten bei zwei Dritteln der Migräne-Patienten ein durchschnittlich 45% höheres Risiko eine Kopfschmerzattacke zu erleiden, und ein 60% höheres Risiko für besonders unangenehme und belastende Kopfschmerzen. Die anderen beiden Kategorien, einerseits die echten Allergene (beispielsweise Pollen) sowie andererseits die nicht-allergenen Trigger erwiesen sich demgegenüber als weniger dramatische Zusatzbelastung.

Die Forscher vermuten, dass alle Allergien die Wahrscheinlichkeit für eine Migräne-Kopfschmerz-Attacke erhöhen, wenn auch in unterschiedlichem Umfang. Sie verweisen auf ältere Studien, die einen Rückgang der Migräne-Belastung um bis zu 50% zeigten, sofern bekannte Allergien durch Hyposensibilisierung behandelt wurden.

Quellen:

Martin, V.T. et al. (2013): Chronic rhinitis and its association with headache frequency and disability in persons with migraine: Results of the American Migraine Prevalence and Prevention (AMPP) Study. Cephalalgia, online veröffentlicht am 25.11. 2013. doi: 10.1177/0333102413512031.

Erstellt am 7. Februar 2014
Zuletzt aktualisiert am 7. Februar 2014

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