Wetter
Wahrscheinlichkeit beim Wetter
Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Für Wettervorhersagen trifft dieser Kalauer in Besonderem zu. Vielgestaltig formen sich die beteiligten Luftmassen, unablässig verändern sich deren physikalischen Eigenschaften, Wechselwirkungen verhindern abgrenzbare Teilbetrachtungen, Dynamik im drei Dimensionen erfordert komplexe Berechnungsformeln mit vielen Variablen ohne konkreten Wert. Das Ergebnis ist eine Vorhersage mit mehr oder weniger großer Irrtumswahrscheinlichkeit.
Die Ansprüche an eine „gute“ Wettervorhersage sind dreifach schwierig; zum einen soll die Abfolge der Wetterereignisse beschrieben werden, dann auch noch ihre genaue räumliche Verteilung und zuletzt auch noch der präzise Zeitpunkt. Für die Mehrzahl der Wetterlagen ist das inzwischen zuverlässig zu leisten; bei besonders spektakulären Wetterereignissen gelingt es aber nur mit relevanter Irrtumswahrscheinlichkeit. Wie rasch eine Regenfront voran kommt, wann sie welchen Landstrich überquert und wieviel Regen dabei fällt, lässt sich nur in etwa voraussagen. Wo und wann sich Hitzegewitter bilden ist mit noch größerer Unsicherheit verbunden. Anschaulich macht das der Vergleich mit einem Topf in dem Wasser kocht - Es ist 100% sicher, dass Dampfblasen aufsteigen werden, es gelingt aber nicht auf die Stelle am Topfbodens zu deuten, wo sich die nächste bilden wird.
Wer einen Ausflug plant oder sich als Gartenbesitzer um den verdorrenden Rasen sorgt, möchte jedoch genau wissen wann es wo wieviel regnet. Der Hinweis auf 30% Regenwahrscheinlichkeit ist dann keine rundherum zufriedenstellende Auskunft. Doch eine größere Präzision ist derzeit auch mit den extrem leistungsstarken Rechenzentren des Deutschen Wetterdienstes (DWD) oder der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) nicht möglich. Das hindert einige „Wetterexperten“ nicht daran im Nachhinein, wenn Regenfront oder Gewitter sich entladen hatten, lautstark auf ihre diesmal bessere Vorhersage zu verweisen. Das mag im Einzelfall sogar zutreffen, doch ohne eine vergleichbare Rechnerleistung sind dies Zufallstreffer; die durchschnittliche Irrtumswahrscheinlichkeit liegt zuverlässig über dem Durchschnittswert von DWD und ZAMG.
Die Unschärfe der Vorhersage beruht nicht auf unklaren Ergebnissen von Berechnungen, sondern auf deren Vielzahl. Die Wetterentwicklung wird mehrmals, jeweils mit ein wenig veränderten Parametern, durchgerechnet. Ergibt sich bei 20 Parallelläufen 6 mal ein bestimmtes Ereignis, so ordnet man ihm eine Wahrscheinlichkeit von 30% zu und arbeitet das in die Vorhersagetexte ein.
In den täglichen Wetterberichten verbergen sich die Wahrscheinlichkeitsangaben für Wetterereignisse hinter allgemeinverständlichen Formulierungen. So wird die räumliche Zuordnung, wieviel Fläche der genannten Landschaft oder des Bundeslandes betroffen sein werden, umschrieben mit:
- Vereinzelt oder einzelne: weniger als 10%
- Örtlich / Lokal: 10 bis 20%
- Strichweise: 10 bis 30%
- Gebietsweise: 20 bis 50%
- Verbreitet: mehr als 50%
Für die zeitliche Dimension in Relation zum Vorhersagezeitraum (zumeist ein Kalendertag oder „das - verlängerte - Wochenende“ oder „die Feiertage“) nutzt der staatliche Wetterdienst die Begriffe:
- Kaum: unter 10%
- Gelegentlich: unter 30%
- Zeitweise: 30 bis 60%
- Länger andauernd: länger als 60%
- Überwiegend (niederschlagsfrei): über 80%
- Meist (niederschlagsfrei): über 90%
Aktuell werden Hitzegewitter über den Bergen Süddeutschlands (Schwarzwald) mit dem Begriff "vereinzelt", also mit einem Gebietsbereich kleiner als 10% beschrieben. Der Verlauf einer Gewitterfront, die sich entlang einer markanten Kaltfront von West nach Ost über Nordrhein-Westfalen hinweg bewegt kann dagegen präziser prognostiziert werden: „ … breiten sich die kräftigen Gewitter aus dem Westen über die Mitte ostwärts aus. Dabei besteht weiterhin lokale (lokal = 10 - 20% der Fläche) Unwettergefahr durch Hagel und Starkregen sowie Sturm- oder Orkanböen. Ansonsten bleibt es bei vielfach aufgelockerter Bewölkung weitgehend (überwiegend - meist = 80 - 90% Dauer) trocken.“ Im Süden und Osten Österreichs, in Kärnten und im Burgenland türmten sich bereits in den letzten Tagen bereits heftige Gewitter mit Hagel, Sturm und Starkregen. Die Schäden durch das Unwetter wurden auf mehrere Millionen Euro beziffert. Dabei lagen Unwetterzentrum und ruhige Wetterlage oftmals eng beieinander. Für Meteorologen ein Problem der Wetterwahrscheinlichkeit, für die Betroffenen womöglich eine Frage der wirtschaftlichen Existenz.
Quellen: Dipl.-Met. Christoph Hartmann: Wahrscheinlichkeitsaussagen in Wettervorhersagen. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 05.07.2017
Dipl.-Met. Jens Hoffmann: Deutschland und die Luftmassengrenze. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 06.07.2017
Erstellt am 6. Juli 2017
Zuletzt aktualisiert am 6. Juli 2017
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