Universität Hohenheim (Baden-Württemberg) startet Forschungsprojekt

Eingewanderte Zecke überlebt auch in Wohnungen

von Holger Westermann

Die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) stammt aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum. Problematisch ist der zugewanderte Ektoparasit (aussen anhaftender Parasit) weil er auf Mensch und Tier Krankheiten übertragen kann und im unmittelbaren Wohnumfeld überlebt.

Eingeschleppt wird die Braune Hundezecke von Hunden im Urlaub oder durch gerettete Straßenhunde aus Mittelmeerländern. „Es wurden aber auch bereits Exemplare an Hunden gefunden, die ihren Hof nie verlassen hatten – ein Hinweis darauf, dass die Art hier möglicherweise bereits Fuß gefasst hat“, erläutert Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Leiterin der Forschungsgruppe Parasitologie an der Universität Hohenheim. „Anders als unser Gemeiner Holzbock kann die Braune Hundezecke sehr gut in Wohnungen überleben“.

Die erwachsenen Tiere sind ohne Blutmahlzeit etwa drei Millimeter groß, im vollgesogenen Zustand erreichen Weibchen bis zu 12 Millimeter Körperlänge. Die Nymphen (Zwischenstadien, die den erwachsenen Tieren ähneln) sind etwa einen Millimeter, die Protonymphen etwa 0,5 Millimeter groß. Die Zecken sind rötlich-braun gefärbt, die vier Beinpaare sind braun.

Nach einer Blutmahlzeit lebt diese Zecke in Ritzen und Spalten, beispielsweise im Parkett oder hinter Fußleisten in Wohnungen von Hundebesitzern. Geschlechtsreif geworden legen die Spinnentiere in rascher Generationenfolge bis zu 4.000 Eier: „Innerhalb weniger Monate hat man dann schnell mehrere 100.000 Zecken in der Wohnung“. Für die Hunde im Haushalt ist das eine unablässige Plage. Doch auch für Menschen kann der Parasit gefährlich werden. „Ist die Population aber zu groß und der Wirt reicht nicht mehr aus, dann ist sie nicht wählerisch und sucht sich das Nächstbeste: den Menschen“.

Die Braune Hundezecke kann gefährliche Krankheiten übertragen:

  • auf Hunde die in wenigen Tagen tödliche Babesiose (Hundemalaria)
  • auf Menschen Mittelmeerfleckfieber (durch Bakterium Rickettsia conorii)
  • auf Menschen weitere Fiebererkrankungen (durch Bakterien Bartonella spec.)


Daher rufen die Forscher der Universität Hohenheim Hundebesitzer zu erhöhter Wachsamkeit, insbesondere nach Rückkehr aus dem Mittelmeerurlaub oder nach Körperkontakt mit anderen Hunden. „Wir können davon ausgehen, dass Besitzer, die mit ihren Hunden im Ausland im Urlaub waren, die Braune Hundezecke nach Deutschland bringen.“ Im Verdachtsfall sollten Hundebesitzer unbedingt aktiv werden: „Wenn Sie annehmen, dass es in Ihrem Haushalt zu einem Befall mit den braunen Hundezecken gekommen ist, sollten Sie sich mit einem Experten zu dieser Art in Verbindung setzen, der Sie beim weiteren Vorgehen beraten kann“, denn „werden in Eigeninitiative die falschen Maßnahmen ergriffen, kann es zu einer erheblichen Verschlimmerung des Befalls mit stark erhöhtem Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier kommen.“

Quellen:

Braune Hundezecke gesucht: Uni Hohenheim forscht an eingewanderter Zeckenart. Pressemitteilung der Universität Hohenheim (Baden-Württemberg, Deutschland), online veröffentlicht 5.7.2019.

Erstellt am 9. Juli 2019
Zuletzt aktualisiert am 9. Juli 2019

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Gesundes Körpergefühl durch markanten Temperaturrückgang

Nach Hitze, Sonnenstrahlung, Wärmestau und Schwüle mit über 40°C gefühlter Temperatur erfrischt nun leichter Wind bei Sonnenschein wie ein 20°C Frühsommertag. Eine Regenfront hat inzwischen Staub und Ozon aus der Luft gewaschen. Dadurch verbessert sich das allgemeine Wohlbefinden, auch wenn schon wieder mancher dem „richtigen Sommer“ nachtrauert. weiterlesen...


Admarker

Ratgeber von Menschenswetter Redakteur Holger Westermann für die Deutsche Fibromyalgie Vereinigung (DFV) e.V.

Ratgeber Fibromyalgie weiterlesen...


Provozieren TNF-Blocker entzündliche Darmerkrankungen?

Biologika sind hochwirksame Arzneimittel gegen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Psorisasis-Arthritis aber auch chronische Darmentzündung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa). Vielen Menschen konnte mit diesen neuen Medikamenten (Markteinführung 2002) geholfen werden, in dem vormals unabwendbar fortschreitende Erkrankungen mit hohem Leidensdruck zum Stillstand gebracht wurden. Doch nun stehen einige dieser Medikamente im Verdacht Erkrankungen zu fördern, die sie eigentlich bremsen sollten. weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


UV-Schutz durch intaktes Hautmikrobiom

Beim ausgiebigen Sonnenbad oder längerer Arbeit im Freien kann ultraviolette Strahlung die Haut nachhaltig schädigen. Unmittelbar spürt man Sonnenbrand, langfristig steigt das Risiko an Hautkrebs zu erkranken. Die zahlreichen Mikroben auf den Haut verhindern eine Schwächung der Immunantwort auf die Schädigung durch intensive Sonnenstrahlung. weiterlesen...


Diagnose Depression

Zwei Langzeitstudien erkennen einen Anstieg der Diagnose Depression. Dabei gleichen sich die Werte von Männern und Frauen sowie zwischen West- und Ostdeutschland weiter an. Grund dafür ist wahrscheinlich die höhere Sensibilität und Akzeptanz gegenüber Betroffenen in der Bevölkerung. Zudem hat sich die Qualität der Diagnose durch Hausärzte verbessert. Erst mit einer präzisen Diagnose ist es möglich auch moderne Formen der Therapieunterstützung, beispielsweise durch Schulungen im Internet, zu nutzen. weiterlesen...