Wetter

Neue Dynamik in der Atmosphäre

von Holger Westermann

Eine konstante Wetterlage kann auch bedeuten, dass sich die selbe Veränderung unablässig wiederholt. In mehreren Wellen entluden sich über dem westlichen Mittelmeerraum und im Südstau der Alpen viel Regen und Schnee. Nördlich der Alpen dominierte ruhiges Wetter mit Nebel, Hochnebel, Wolkendecke und kurzzeitigen Sonnenepisoden. Nach sternklaren Nächten war es morgens frostig kalt und tagsüber im Sonnenschein angenehm warm; bei Nebel bleib es frostfrei aber ganztags kühl. Doch diese konstante Konstellation wird alsbald durcheinander gewirbelt.

Den Wirbel verursachen Tiefdruckgebiete (Luftströmung entgegen dem Uhrzeigersinn um das Zentrum) die nach Mitteleuropa heran ziehen und die Luftdruckverteilung nördlich der Alpen radikal verändern - und bis ans Mittelmeer wirken werden. Dabei zieht das steuernde Tief von England über die Nordsee und weiter bis zum Baltikum. Der Wind dreht an der Vorderseite (Ostflanke) des Tiefdruckgebiets auf Südwest und führt vom Atlantik milde und feuchte Luftmassen heran. Über der ausgekühlten Landmasse Mitteleuropas regnet die Luftfeuchte ab; in höheren Lagen der Alpen und Mittelgebirge kann es schneien.

Doch wieder ein Wetter wie zuvor? Nicht ganz, denn bislang dominierte eine Nord-Süd-Strömung (meridional geprägte Großwetterlage) das Wetter hierzulande. In den letzten 2 bis 3 Wochen lag zumeist ein Tiefdruckgebiet ortsstabil über Ostfrankreich. An dessen Rückseite (Westflanke) konnte kalte Polarluft weit nach Süden in den westlichen Mittelmeerraum ausgreifen und an der Vorderseite (Ostflanke) sehr warme Luft nach Südost- und Osteuropa strömen.

Erwartet wird nun eine Westwetterlage, in der eine West-Ost-Strömung dominiert (zonal geprägte Großwetterlage). Typisch ist eine stete Abfolge von Tiefdruckgebieten, die vom Atlantik heranziehen und auf Höhe der britischen Inseln oder Frankreich auf Europa treffen. Mit stürmischem Wind führen sie -für die Jahreszeit - sehr milde und feuchte Luft heran. Auch unter diesen dynamischen Bedingungen bleibt der Himmel grau, doch nun von rasch ziehenden Wolken verhüllt anstelle der trägen Nebel und Hochnebel. Dabei wird es zunächst wärmer, Nachtfrost gibt es nur noch in den Bergen. Kräftiger Wind und regelmäßiger Regen lassen jedoch die gefühlte Temperatur auf niedrigem Niveau verharren.

Es kündigt sich jedoch bereits ein deutlich drastischerer Wetterwechsel an (derzeit - bei aller Unsicherheit von Wetterprognosen über 3 Tage hinaus): An der Rückseite des ersten und besonders intensiv eines zweiten, unmittelbar nachfolgenden Tiefdruckkomplexes dreht der Wind wieder auf Nordwest oder Nord. Der Charakter der Großwetterlage wechselt wieder auf meridional, bleibt aber dynamisch. Damit könnte polare Kaltluft weit nach Süden vordringen und eventuell pünktlich zum Nikolaustag wäre mit heftigem Schneefall zu rechnen; erst in den Alpen und dann in den Mittelgebirgen, später auch im Flachland. Eine Schneedecke wird sich aber nur oberhalb von 600 bis 800m halten können.

In jedem Fall muss aufgrund Wind, Wolken, Niederschlag mit einem drastischen Rückgang der gefühlten Temperatur gerechnet werden. Menschen mit Herz-Kreislauf.-Erkrankungen sind durch frösteln und dadurch provozierten Blutdruckanstieg besonders gefährdet. Auch die Symptome von Asthma und Muskelverspannungen sowie rheumatischen Erkrankungen und allgemein Schmerzerkrankungen werden sich wahrscheinlich verschlechtern. Der abrupte Temperaturwechsel kann auch Migräneattacken auslösen. Insofern freut die Aussicht auf weiße Adventstage nicht jedermann. Andererseits kann man die gefühlte Temperatur durch einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ein wenig anheben. Da hilft schon die heimelige Stimmung - oder ein hochwirksames Therapeutikum: Glühwein.

Quellen:

Dipl.-Met. Marcus Beyer: Festgefahrene Lage. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 18.11.2019

Dipl.-Met. Marcus Beyer: Jetzt wird alles anders? Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 24.11.2019

Erstellt am 26. November 2019
Zuletzt aktualisiert am 26. November 2019

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