Wetter

Schwüle schwächt den Kreislauf

von Holger Westermann

In den kommenden Tagen schwappt die erst Hitzewelle des Jahres über Mitteleuropa. Sehr heiße und feuchte Luft strömt von der Sahara über das Mittelmeer heran - und wird von den regennassen Böden hierzulande mit weiterem Wasserdampf angereichert. Für viele Menschen ist der rasche Temperaturanstieg und die zunehmende Schwüle eine ernstzunehmende Gesundheitsbelastung.

Eine recht kühle Periode mit wechselhaftem, oft regenreichem Wetter ging mit Starkregen zu Ende. Unmittelbar nach Sommerbeginn am längsten lichten Tag (heuer am 20.6.) startet das Hochsommerwetter. Ein umfangreiches Hochdruckgebiet platziert sich über Mitteleuropa und transportiert (Luftströmung im Uhrzeigersinn um das Zentrum) mit Südwind heiße Saharaluft bis in die Ostseeregion. Bei viel Sonnenschein steigt die Lufttemperatur auf Höchstwerte von 25 bis 32°C, mancherorts auch über 35°C. Für das Wohlbefinden bedeutsam ist dabei, dass es nachts nicht unter 20°C abkühlt. In solchen „Tropennächten“ sinkt die Schlafqualität und am nächsten Tag fühlen sich viele Menschen unausgeschlafen und in ihrer Leistungsfähigkeit reduziert.

Spätestens ab Mittwoch werden am frühen Nachmittag 30°C erreicht. Doch dieser Thermometerwert gibt die drohende Gesundheitsbelastung nur unzureichend wieder. Denn mit ansteigender Hitzewelle wird es auch zunehmend schwül. Auf dem Weg über das Mittelmeer nimmt die an sich trockenheiße Saharaluft sehr viel Feuchtigkeit auf. Und über den immer noch regennassen Böden in Mitteleuropa sättigt sie sich weiter auf. So wird ein nahezu optimale Wasserdampfanreicherung der sehr warmen Luft garantiert - zum Leid der Menschen hierzulande.

Schwüleempfinden tritt auf, wenn die Luft mehr als 13,5g Wasserdampf (0,0135 Liter Wasser) pro Kubikmeter (m3) enthält. Diese Menge an Feuchtigkeit kann die Luft aber erst ab einer Temperatur von 16 Grad aufnehmen, darunter ist es physikalisch gar nicht möglich. Somit gibt es erst ab 16 Grad Lufttemperatur überhaupt „Schwüle“. Je höher die Temperatur steigt, desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft „tragen“. So wird die Schwüleschwelle bei 20°C Lufttemperatur und einer relativen Feuchte von etwa 80 % überschritten. Bei 25°C genügen bereits 60 % relative Luftfeuchte, bei 30°C schon 44 % und bei 35°C sogar 34 %. Dann liegt die „gefühlte Temperatur“ weit über dem gemessenen Therometerwert.

Unangenehm wird Schwüle, weil der Körper die innere Wärme nicht mehr durch schwitzen unterstützen kann. Der Schweiß rinnt nahezu wirkungslos am Körper herab. Jede körperliche Anstrengung, jede Muskelbewegung oder wärmeproduzierende Aktivität der großen Organe belastet den Kreislauf. Die Muskelspannung lässt nach, die Wahrscheinlichkeit für Schwindelanfälle steigt, die Adern weiten sich und damit fällt der Blutdruck. Infolgedessen wächst das Risiko zu Stürzen. Wer intensiv schwitzt und dabei wenig trinkt belastet die Nieren, denn für ihre optimale Funktion benötigen sie einen hinreichend hohen Blutdruck und ausreichend Flüssigkeit. Verliert der Körper mehr Wasser als er wieder zugeführt bekommt, fordert das zunehmend dickflüssige Blut maximale Anstrengung des Herzens. Der geschwächte Kreislauf beeinträchtigt auch die Atmung und schwächt die mentale und geistige Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft.

Quellen:

Dipl.-Met. Marco Manitta: Der Hochsommer naht. Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 19.06.2020

Dipl.-Met. Simon Trippler: Es wird hitzig! Thema des Tages, Newsletter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 21.06.2020

Erstellt am 22. Juni 2020
Zuletzt aktualisiert am 22. Juni 2020

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

Weitere Informationen...

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

Schwüle vertreibt die Nieselkälte

Derzeit frösteln hierzulande viele Menschen bei Nieselregen, Wind und geringer Lufttemperatur. Gelenke und Muskulatur schmerzen, der Blick aus dem Fenster stimmt trübsinnig. Kaum vorstellbar, dass dies der Auftakt zu schwülwarmer Hitze mit Konzentrationsproblemen, Kreislaufschwäche und Schwindelgefühl sein soll - doch genau so wird es kommen.

  weiterlesen...


Admarker

Das Projekt Menschenswetter

Unterstützen Sie Menschenswetter!

Die Höhe des Beitrags liegt in Ihrem Ermessen.

 

 3 Euro    5 Euro    12 Euro  
 Betrag selbst festlegen  

  weiterlesen...


Dankbarkeit verbessert auch das eigene Wohlbefinden

Weniger Stress, innere Ruhe und Achtsamkeit verbessern das psychische Wohlbefinden. Dabei wird oft übersehen, dass es nicht genügt, sich frei von Zumutungen, Drangsal und Leid zu fühlen. Für Menschen sind Zuversicht und verlässliche soziale Bindungen wichtige Wohlfühlfaktoren. Wer positive Erlebnisse erkennt, senkt den Stress. Eine erfolgversprechende Strategie ist es, Dankbarkeit zu üben. weiterlesen...


Heuschnupfen durch Frühlingsregen

Bei Hitze schweben Pollen lange in der Luft und verbreiten sich sehr weit. Dabei erreichen sie zuverlässig in hoher Konzentration die Nase der Allergiker und reizen die Atemwege. Erst ausgiebiger Regen reduziert die Reizung und schafft nachhaltig Linderung - dachte man bislang. Doch Messungen zeigten, dass Frühlingsregen die Belastung für Allergiker und Asthmatiker sogar verstärken kann. weiterlesen...


Schaumbad ist gut für die Gesundheit

In Japan gilt das Bad in den natürlichen oder geschaffenen Bassins heißer Quellen (Onsen) nicht allein der Körperhygiene, sondern ist ritualisierte Tradition, die Körper und Geist verwöhnt. Ein japanisches Forscherteam untersuchte nun die Wirkung sehr warmer Bäder auf die Gesundheit von Herz und Kreislauf. weiterlesen...


Corona-Kompetenz: Körpertemperatur korrekt bewerten

Fiebermessen ist eine Alltagsfertigkeit. Moderne Geräte mit Displayanzeigen erleichtern das präzise Anlesen auf die erste Dezimalstelle genau. Traditionalisten bevorzugen die analoge Technik, weil sie auch ohne Batterien funktioniert. Dafür nehmen sie einen Messfehler von 0,1°C in Kauf. Einigkeit besteht jedoch darin, dass eine Körpertemperatur von 37°C den Normalwert markiert. Doch diese Regel ist nicht mehr up-to-date. weiterlesen...