Wetter

Herbstliches Hochdruckwetter

von Holger Westermann

Ein stabiles Hoch ist im Sommer Garant für Hitze und Sonnenschein vom wolkenlosen Himmel. Im Herbst bewirkt konstant hoher Luftdruck jedoch einen ganz anderen Wettereffekt, der weit weniger erfreulich auf Wohlbefinden und Gesundheit wirkt.

Frühmorgens, manchertags auch schon am Abend zuvor, bildet sich Nebel und Hochnebel. Die so abgeschatteten Landschaften erwärmen sich am Vormittag nur langsam. Im Hochdruckgebiet sinkt die Luft aus höheren Atmosphäreschichten herab, erwärmt sich dabei adiabatisch um 1°C pro 100m. Die erwärmte Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, Sonnenschein und Strahlungswärme nach Tagesanbruch verstärken den Effekt. So werden Hochnebel und Nebel von oben aufgelöst.

Bis dahin bleibt unter dem Nebel die vergleichsweise schwere Kaltluft liegen. Kein Wind und keine Thermik verwirbelt die stabile Schichtung der bodennahen Luft. Erst wenn sich die Nebeldecke lichtet, wenn Sonnenstrahlen durchdringen und den Boden wärmen und die lokale Thermik die Luft durchmischt, wird es rasch spürbar wärmer. Dann kann der Thermometerwert in zwei bis drei Stunden von unter 5°C auf über 15° steigen. Die Änderung der gefühlten Temperatur, die Körperreaktionen und Wohlbefinden beeinflusst, ändert sich noch drastischer. Nasskaltes Nebelwetter provoziert intensives frösteln, während intensive Sonnenstrahlung vom wolkenlosen Himmel Körper und Gemüt kräftig erwärmt.

Derzeit erstreckt sich das stabile Herbsthoch „Ramesh“ über Mitteleuropa - über ganz Europa, von Spanien bis zum Ural, von der afrikanischen Küste bis nach Skandinavien. Kein Atlantiktief kann erfolgreich gegen dieses massive Bollwerk anstürmen. So bleibt die aktuelle Wetterlage längere Zeit stabil. Aktuelle Berechnungen prognostizieren: bis über den 21. November hinaus.

Für die Menschen in Mitteleuropa bedeutet dies eine tägliche Wetterwette: Wann lichtet sich der Nebel oder Hochnebel? Bleibt es trüb, bleiben die Tagesmaxima unter der 10°C-Grenze. Je früher sich die Nebellichten, je länger der Sonnenschein wärmt, um so eher wird ein Thermometerwert von 15 - 18°C erreicht. Nachts kann derweil erster Nachtfrost bis -5°C auftreten. Bleibt der Himmel frei von Nebel und Hochnebel kann sich bei recht hoher relativer Luftfeuchte nach sternklaren Nächten morgen Raureif bilden. Für Frühaufsteher ein sehr kaltes aber hübsches Naturschauspiel.

Doch für wetterempfindliche Menschen bringt das herbstliche Hochdruckwetter ernsthafte Gesundheitsrisiken. In der Kälte am frühen Morgen ziehen sich die Adern zusammen. Bei Menschen mit Hypertonie schnellt der Bluthochdruck nach oben und damit steigt das Risiko einen Infarkt zu erleiden. Bei Menschen mit Asthma kann ein Kältereiz die oberen Atemwege verkrampfen und eine Attacke auslösen. Hält die Nebellage längere Zeit an, können sich darin Luftschadstoffe anreichern und die Atmung reizen. Insbesondere Städter sind gefährdet. Menschen, die unter Migräne leiden, müssen bei rasanter Temperaturänderung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Schmerzattacken rechnen. Eine stabile Nebellage schlägt auch robusten Naturen aufs Gemüt. Bleibt der Sonnenschein länger aus, kann sich eine depressive Verstimmung entwickeln. Darunter leiden dann auch Motivationsbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit; die innere Unruhe nimmt zu. So hat eine stabile Hochdrucklage im Herbst auch Schattenseiten.

Setzt sich gegen Mittag die Sonne durch, steigt die Temperatur auf angenehmes Windjackenniveau. Dann erlebt man die Sonnenseite des Herbsthochs. Bäume, Büsche und Reben zieren bunte Blätter. Die Sonnenwärme animiert Bakterien, die bereits herabgefallenen Blätter zu zersetzen. Dann entströmt dem Boden der typische Herbstduft. Ein Spaziergang durch Wärme und Sonnenschein wird so zum Erlebnis für alle Sinne - und heuer (in diesem Jahr) hat man ungewöhnlich viel Gelegenheit dazu.

Quellen:

Text der Menschenswetter Redaktion

Erstellt am 6. November 2020
Zuletzt aktualisiert am 6. November 2020

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